Personal und Ausbildung

Die Personalentwicklung bis in das Jahr 2000

Rahmenbedingungen

In den 80er Jahren hatte die deutsche Marine einen Umfang von ca. 38 000 Soldaten. Sowohl die rückläufige demographische Entwicklung in Deutschland als auch die knappen finanziellen Ressourcen zwangen damals die Marineführung zu ersten Überlegungen, den Umfang zu reduzieren.

Dieser Prozeß wurde zu Beginn der 90er Jahre durch die politischen Veränderungen in Deutschland und die damit verbundene Veränderung der sicherheitspolitischen und militärstrategischen Situation in Europa zusätzlich beschleunigt.

So war aufgrund vertraglicher Verpflichtungen im Rahmen der deutschen Vereinigung der Gesamtumfang der Streitkräfte innerhalb von 5 Jahren von über einer halben Million auf 370 000 Soldaten zu senken.

Für die Marine ergab sich hieraus eine Umfangsreduzierung auf 29 000 Soldaten. Allerdings war ihr zugestanden worden, diesen Zielumfang über eine Zwischenstruktur von 32 200 (1995) erst im Jahr 2000 einzunehmen. Begründet war dieses durch den erforderlichen Zeitbedarf für den Abbau der Organisation und insbesondere des Schiffsbestandes.

 

Strukturelle Entwicklung

Der Beginn des eingeleiteten Reduzierungsprozesses war zunächst von einem Personalaufwuchs begleitet.

Im Zuge der deutschen Vereinigung mußten ca. 8 000 Angehörige der ehemaligen Volksmarine der DDR vorläufig übernommen werden; der größte Teil von ihnen beendete den Dienst nach 2 Jahren. Als Berufssoldat und Zeitsoldat mit längerer Verpflichtungsdauer wurden etwas mehr als 500 Soldaten übernommen.

Überlagert wurde diese Entwicklung durch einen 2. Reduzierungsprozeß.

Das Verhältnis von Investitionen zum Erhalt einer modernen Bundeswehr einerseits und den Betriebsausgaben andererseits war so unausgewogen, daß einschneidende Maßnahmen erfor-derlich wurden. Das Ziel lautete: Spätestens im Jahre 2000 ist ein Verhältnis von Investi-tionsausgaben zu Betriebskosten von 30 : 70 zu erreichen (allein über 50 % des Verteidi-gungshaushaltes wird derzeit für Personal aufgewendet).

Dazu mußten die deutschen Streitkräfte noch einmal reduziert werden, und zwar von 370 000 auf 338 000. Diese Reduzierung mündet in ein neues Personalstrukturmodell 340 (PSM 340), an dem zur Zeit gearbeitet wird. Für die Marine bedeutet dieses einen Umfang von 27 200 Soldaten, der im Jahre 2000 erreicht werden muß.

 

 

Personallage 1997:

Insgesamt dienen z.Z. ca. 29 600 Soldaten in der Marine. Sie sind wie folgt unterteilt:

 

Status Laufbahn

7 500 Berufssoldaten 5 050 Offiziere

14 900 Zeitsoldaten 6 550 Unteroffiziere m.P.

7 200 Wehrpflichtige 6 750 Unteroffiziere o.P.

11 250 Mannschaften

In der zukünftigen Zielstruktur sind demgegenüber folgende Personalumfänge geplant:

ca. 6 100 Berufssoldaten ca. 4 750 Offiziere

ca. 14 900 Zeitsoldaten ca. 6 650 Unteroffiziere m.P.

ca. 6 000 Wehrpflichtige ca. 4 900 Unteroffiziere o.P.

ca. 10 700 Mannschaften

 

Gesetzliche Regelungen

Der Personalabbau der deutschen Streitkräfte hat sozialverträglich abzulaufen.

Gesetzlicher Bestimmungen lassen nicht zu, deutsche Berufs- und Zeitsoldaten gegen ihren Willen vorzeitig aus dem Dienstverhältnis zu entlassen.

Aus diesem Grund wurde 1991 ein Personalstärkegesetz (PSG) verabschiedet, das aus 4 Komponenten besteht:

- Reduzierung der dienstgradbezogenen Altersgrenze um 1 Jahr für alle Berufssoldaten

(BS)

- Möglichkeit der vorzeitigen Zurruhesetzung für Unteroffiziere mit 48 Jahren und für

Offiziere mit 50 Jahren. Diese Maßnahme war bis zum 31.12.1994 befristet.

- Umwandlung des Status BS in den Status Soldat auf Zeit.

- Verkürzung der Verpflichtungszeit eines SaZ auf freiwilliger Basis.

Das PSG hat wesentlich dazu beigetragen, den Personalbestand zu reduzieren. Allerdings ist die angestrebte Struktur noch nicht erreicht; bei den Stabsoffizieren und bei den Berufsun-teroffizieren sind noch Überhänge zu verzeichnen.

Einerseits konnte nicht jeder Soldat, der einen Antrag auf Dienstzeitverkürzung gestellt hatte, entlassen werden (Spezialisten), andererseits machten nicht genügend Soldaten, bei denen die Verkürzung möglich gewesen wäre, davon Gebrauch.

Diese Überhänge bei den Berufssoldaten werden mit der Reduzierung auf 340 000/27 000 wieder anwachsen und die Struktur in den kommenden Jahren belasten. Sie müssen durch organisatorische Maßnahmen aufgefangen werden.

 

Wehrpflichtige:

Eine sehr wichtige Rolle im Gefüge der deutschen Marine nehmen die Wehrpflichtigen ein. Sie machen über 20 % des Personals aus. Ca 60 % der Mannschaften an Bord der Flotteneinheiten sind Wehrpflichtige . Ca. 40 % der erforderlichen SaZ will die Marine aus dem Potential der Wehrpflichtigen gewinnen.

Grundlegende Änderungen zum Wehrpflichtgesetz traten zu Beginn des Jahres 1996 in Kraft:

Die allgemeine Wehrpflicht wurde von 12 auf 10 Monate gekürzt, gleichzeitig wurde aber die Möglichkeit geschaffen, den Wehrdienst individuell um 2 bis 13 Monate zu verlängern. Eine solche Verlängerung ist mit finanziellen Anreizen verbunden; die Quote dieser freiwillig Wehr-dienstleistenden (FWDL) ist SK-weit begrenzt worden auf einen Anteil von 20. 000 (Marine 2.550).

Die jungen Männer, die den reinen Grundwehrdienst von 10 Monaten leisten (W 10), sollen vorrangig an Land eingesetzt werden.

Ausbildung

Grundsätze

In der deutschen Marine wird sowohl inhaltlich als auch organisatorisch unterschieden zwischen

- lehrgangsgebundener (Individual-) Ausbildung und

- Einsatzausbildung.

Die lehrgangsgebundene Ausbildung von Marinepersonal findet im Verantwortungsbereich des Marineamtes an den Schulen der Marine statt - in Einzelfällen auch an Ausbildungseinrich-tungen der anderen TSK oder ausländischer Streitkräfte.

Ziel ist der zur Wahrnehmung von Aufgaben in seinem Verwendungsbereich befähigte einzelne Soldat.

Die Einsatzausbildung erfolgt im Verantwortungsbereich des Flottenkommandos an Bord der Waffensysteme der Marine

Ziel der Einsatzausbildung ist die Besatzung, die als Kampfgemeinschaft allen zu erwartenden Einsatzaufgaben gerecht wird.

 

Die Einsatzausbildung im Team/Besatzungsrahmen baut auf der lehrgangsgebundenen Ausbildung der einzelnen Soldaten an Land auf.

Die Inhalte der Ausbildung an Land werden dabei durch den Bedarf der Flotte und das Einsatzprofil der Boote und Schiffe bestimmt.

Organisation, Struktur und Durchführung der lehrgangsgebundenen Ausbildung werden zudem bei dem Ziel, qualifiziertes Personal für die derzeitig noch über 28 000 Dienstposten der Ma-rine bereitzustellen, durch folgende 2 Faktoren bestimmt:

- Vielzahl und Breite der Aufgaben auf diesen Dienstposten,

- verfügbare Ausbildungszeit,

Die Vielzahl und Breite der Aufgaben ist eine Folge der Komplexität einer modernen Marine; sie macht ganz allgemein eine hochqualifizierte, aber auch stark spezialisierende Ausbildung erforderlich.

Spezialisierung in der Ausbildung wird jedoch dort uneffektiv, wo der Kreis auszubildender Spezialisten zu klein wird.

Die Ausbildung in der deutschen Marine wurde daher soweit wie möglich standardisiert und modular aufgebaut.

Dadurch sollen die Forderungen nach

- Austauschbarkeit der Soldaten innerhalb der Verwendungsreihen,

- gleichen Aufstiegsmöglichkeiten und

- einheitlicher Personalführung

erfüllt werden.

 

Offiziere und Unteroffiziere müssen zudem nicht nur zum Fachmann, sondern auch zum Führer, Erzieher und Ausbilder befähigt werden.

Die Ausbildung zum Führer muß dabei breit angelegt sein, während die zum Fachmann stärker in die Tiefe geht. Da sich diese beiden Ausbildungsrichtungen nur schwer miteinander verein-baren lassen, wurde die Führerausbildung von der militärfachlichen Ausbildung getrennt.

 

Neben der Vielzahl abzudeckender Aufgaben ist die verfügbare Ausbildungszeit ein weiterer bestimmender Faktor.

Grundsätzlich gilt für die deutsche Marine, daß die Ausbildungszeit - einschließlich der Aus-bildung für einen zivilen Beruf - nicht mehr als 40 % der Gesamtdienstzeit betragen soll.

 

Ausbildungsaufbau

Unter Berücksichtigung aller dieser Grundsätze verläuft die Ausbildung in der Marine in Stufen; diese sind abhängig von den Verwendungen der angestrebten Führungsebene und ins-gesamt von der Verpflichtungsdauer der Soldaten.

Eine jede dieser Ausbildungsstufen besteht aus einander ergänzenden 2 Abschnitten:

- der allgemeinmilitärischen Ausbildung, in der breites Basiswissen und Fähigkeiten für die jeweilige Dienstgradgruppe vermittelt werden (z.B. Ausbildung zum militärischen Führer),

- der militärfachlichen Ausbildung, in der für den jeweiligen Verwendungsbereich des einzelnen Soldaten erforderliche Fachkenntnisse gelehrt werden (Ausbildung zum Fachmann).

Die Ausbildung der nächsthöheren Ebene baut dabei immer auf der vorangegangenen Ausbildung und auf der in der Praxis gewonnenen Erfahrungen auf.

Dadurch ergibt sich ein stetiger Wechsel zwischen Einsatz in der Flotte und der Ausbildung an den Schulen der Marine. Im Verlauf der Verpflichtungsdauer und der Verwendungen soll auf diese Art die berufliche Professionalität kontinuierlich ansteigen.

 

Neuordnung der Schullandschaft

Vor dem Hintergrund der bereits erwähnten Reduzierung des Personalumfangs der deutschen Marine wird die Schulorganisation gestrafft und die Zahl der Schulen bis zum Jahr 2002 von 14 auf 5 zu reduziert.

Die Vorgesetztenausbildung wird dabei unverändert an

- der Marineoffizierschule (Mürwik) und

- der Marineunteroffizierschule (Plön)

durchgeführt.

Die Marineschule Mürwik in Flensburg ist die älteste und bekannteste Ausbildungsstätte. Hier wird der gesamte Offiziernachwuchs der Marine als militärischer Führer ausgebildet.

Die Marineunteroffizierschule in Plön führt die allgemeinmilitärische Ausbildung zum Maaten und später zum Bootsmann durch.

Die militärfachliche Ausbildung aller Dienstgradgruppen erfolgt (zukünftig) an den 3 Funktionsschulen der Marine:

- der Marineoperationsschule (Bremerhaven),

- der Marinetechnikschule (Stralsund) und

- der Marineversorgungsschule (List/Sylt).

Die Marineoperationsschule (MOpS) konzentriert sich dabei auf den Funktionsbereich "Operation" und auf die Ausbildung aller Dienstgradebenen (Mannschaften bis Offiziere) in diesem Bereich.

An der im Aufbau befindlichen Marinetechnikschule (MTS) wird zukünftig Funktionspersonal aller Dienstgrade für den "Technik"- Bereich ausgebildet.

Die Ausbildung in "allgemeinen Marinediensten" (z.B. Stabsdienst, Logistik, Sanitätsdienst) findet an der Marineversorgungsschule in List auf der Insel Sylt statt.

Durch die beschriebene Straffung der Schulorganisation der Marine ergeben sich langfristig Rationalisierungsgewinne aufgrund von Reduzierungen bei den Betriebsmitteln, insbesondere für Infrastruktur. Diese Gewinne sollen zugunsten notwendiger Investitionen bei Waffensystemen umgeschichtet werden.

Die Ausbildungsorganisation der deutschen Marine leistet somit nicht nur einen wichtigen Beitrag zur Einsatzfähigkeit des Personals in der Flotte, sondern sie trägt auch durch erwirtschaftete Rationalisierungsgewinne zu deren Kampfkrafterhalt bei.

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