Maritime Unmanned Airvehicle (UAV)

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Unabdingbar für den erfolgreichen Einsatz von Seestreitkräften ist das Erstellen und das Aufdatieren eines aktuellen und zuverlässigen Lagebildes über und unter Wasser - sowohl auf der Hohen See als auch im mitunter geographisch stark zergliederten Küstenvorfeld.

Für die Erstellung des Luftlagebildes werden grundsätzlich die weitreichenden aktiven und passiven Sensoren der Überwassereinheiten oder von Überwachungsflugzeugen (AWACS, MPA etc.) genutzt.

Für das Unterwasserlagebild ist aufgrund der nur begrenzten Reichweite der hull-mounted Sonaranlagen der Überwassereinheiten der Einsatz der bordgestützten Hubschrauber und der unterstützende Einsatz von Ubooten und MPA von herausragender Bedeutung.

Bei konkurrierenden Einsatzrollen und -erfordernissen (Luft, Überwasser, Unterwasser) muß zum jetzigen Zeitpunkt für die Erstellung eines Überwasserlagebildes auf die aktiven und passiven Sensoren der Überwassereinheiten mit ihrem begrenzten Erfassungshorizont zurückgegriffen werden. Damit ist weder ein kontinuierliches und lückenloses Lagebild noch der im Konfliktfall anzustrebende Einsatz weitreichender Seezielflugkörper auf ihre maximale Bekämpfungsentfernung möglich.

Dieses Defizit vermögen Drohnen mit ihren spezifischen Fähigkeiten zu kompensieren. Marinedrohnen sollen Aufgaben im Rahmen der operativ-taktischen Lagebilderstellung übernehmen und vor allem die Wirksamkeit aller Seekriegsmittel im integrierten Einsatzverbund erhöhen.

In der deutschen Marine soll die Marinedrohne von den Fregatten und den geplanten Korvetten einsetzbar sein. Die Fähigkeiten der Drohne sind möglichst breit auszulegen.

Mit dem Drohnensensor Radar sollen zukünftige Plattformen befähigt werden, ihre weit-reichenden Flugkörper auf maximale Reichweite einsetzen zu können (OTHT). Desweiteren soll die Drohne via LINK einen entscheidenden Beitrag zur Aufklärung und Lagebilderstellung außerhalb des Radarhorizontes der Schiffseinheiten, bis hin zur Klassifizierung und Identifizierung mit einem elektrooptischen Sensor (IR und TV-System) leisten. Ein modulares Prinzip der Nutzlast läßt auch die Integration anderer Sensoren/Effektoren (z.B. ECM) zu.

Bei der Sensorik soll soweit als möglich und zweckmäßig auf eingeführtes Gerät zurückgegriffen werden (z. Bsp. Radar des "MH 90", Elektrooptik der Heeresdrohne "KZO/Brevel"). Aufgrund des modularen Aufbaues wird es aber auch künftig möglich sein, andere Sensoren nachzurüsten, zum Beispiel im Bereich ELOKA.

Weiterhin sind gefordert eine Einsatzreichweite von ca 100 nm mit einer Flugdauer von
4 Stunden und einer Dienstgipfelhöhe von 10.000 ft, Flugweg vorprogrammierbar und umprogrammierbar während des Fluges.

Das System muß auch von kleineren Einheiten mit Hilfe eines automatischen Start-und Landesystems einsetzbar sein. Ein modulares Sytemkonzept ermöglicht eine einfache flexible Handhabung des Systems an Bord. Zusätzlich ist das Drohnensystem auch im Rahmen von Crossdeck Operationen einzusetzen, d.h. Betrieb des Systems mit vorhandenem Bordpersonal.

Das Konzept des Starrflüglers ist für die deutsche Marine uninteressant, da Start und Landevorgänge größere Start-/Landeflächen benötigen (w.z.B. die eines LDP der US-Navy), bzw. bei der Landung eine Wasserung oder das Einfangen mit einem Netz vorsieht.

Eine Bewertung unterschiedlicher Konzepte führte zur Auswahl einer Hubschrauberdrohne, die automatisch an Bord starten und landen kann. Diese Fähigkeit wurde von der Firma Dornier mit einem Demonstrator (SEAMOS = SEezielAufklärungsMittel u. OrtungsSystem) mittels einer sich bewegenden Plattform bereits Ende 1991 nachgewiesen .

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Angestrebte bilaterale bzw. multinationale Kooperationen umfassen derzeit mehrere potentielle Interessenten und ein "NATO-TECHNICAL- DEMONSTRATION-Programme". Im Rahmen der NATO Project Group 35 / Maritime Unmanned Airvehicle wurde SEAMOS als Basisfluggerät für "Interoperability At Sea" Versuche ausgewählt.

Diese "at Sea-Demonstration" soll die operative Bandbreite der VTOL-Marinedrohne (VTOL=Vertical Take Off and Landing) einschließlich ihrer Interoperabilität zu anderen Schiffen demonstrieren. Weitere Teilnehmer an dieser Demonstration sind neben Deutschland mit dem Versuchsträger SEAMOS, die USA mit einer bodenständigen/bordgestützten Kontrolleinrichtung (TCS), sowie Großbritannien mit der Realisierung der LINK-Verbindung.

Das Vorhaben Marinedrohne ist mit dem vorgesehenen Einsatzspektrum für viele Marinen von hohem Interesse, zumal mit dem deutschen Konzept die "NATO Staff Requirements" zum großen Teil erfüllt werden.

Auf dem internationalen Markt werden derzeit wenig Alternativen zum vorgesehenen SEAMOS-Konzept (Hubschrauberprinzip) angeboten. Die wenigen über See eingesetzten Drohnen basieren weitgehend auf dem Prinzip des Starrflüglers und/oder sind so klein, daß sie nur einen Teil der vorgesehenen Nutzlast unterbringen können.

Für die deutsche Marine ist das Vorhaben Marinedrohne für einen Beginn der Definitionsphase 1998 und für eine Entwicklung ab 2000 zu den diesjährigen Haushaltsverhandlungen angemeldet worden. Nach jetzigem Sachstand kann mit der Produktion Anfang 2005 begonnen werden.

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