Fregatte F 123
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1. Vorläufer der Fregatte F 123

Der Vorläufer der neuen Fregatte F 123 (Brandenburg Klasse), die Fregatte F 122
(Bremen- Klasse), befindet sich seit vielen Jahren in der operativen Nutzung und bewährt sich tagtäglich. Als Ujagd Fregatte geplant, versieht sie ihren Dienst im nationalen wie auch multinationalen Einsatz.

Beginnend mit den Zerstörern der Klasse Z 103A/B vollzog die deutsche Marine mit den Fregatten Klasse F 122 den Schritt in das Zeitalter reiner Systemschiffe und Hubschrauberträger.

Die mit der Fregatte F 122 gemachten Erfahrungen wurden bei der Realisierung des Vorhabens Fregatte F 123 eingebracht und umgesetzt.

Im Juni 1987 entschied der Inspekteur der Marine, vier Fregatten Klasse F 123 als Ersatz für die Zerstörer Klasse Z 101A zu beschaffen.

2. Forderungen und deren Umsetzung

Gefordert wurde eine Fregatte zur Durchführung von Seegebiets- und Geleitschutzaufgaben mit Schwerpunkt U-Jagd sowie der Fähigkeit zur Bekämpfung von Luftzielen (Eigenschutz und Schutz von Einheiten im Nahbereich) und zur Seezielbekämpfung.

Im Oktober 1988 erteilte der öffentliche Auftraggeber dem Konsortium F 123 den Zuschlag und bereits Ende Juli 1989 konnte der Bauvertrag abgeschlossen werden.

Die im Vergleich zu Handelsschiffen sehr umfangreichen Konstruktionsarbeiten und der Bau der vier Einheiten wurde auf die drei Werften des Konsortiums 123 Blohm & Voss (Hamburg), Howald Deutsche Werft (HDW - Kiel) und Thyssen Nordseewerke (TNSW-Emden) sowie dem Bremer Vulkan (BV-Bremen) verteilt.

Eine Rahmenbedingung bei der Realisierung des Vorhabens war, auf Bewährtes zurückzugreifen.
Daraus ergab sich:

- Technisch und wirtschaftlich sinnvolle Komponenten des Vorgängers F 122 wurden
übernommen. Hierzu gehört insbesondere die bewährte CODOG-Antriebsanlage auf zwei
Wellen mit Verstellpropellern ausgelegt für eine Höchstgeschwindigkeit von 29 Kn.

- Durch Anwendung der Modulbauweise aus der MEKO-Technologie (Blohm & Voss)
werden Zeit und Kosten beim Bau und bei späteren Instandsetzungen reduziert.

- Die Standkraft wird durch gezielte Maßnahmen zur Verbesserung der Überlebensfähigkeit
des Schiffes nach Beschädigung erhöht. Hier sind beispielhaft die an beiden Schiffsseiten
integrierten Kastenträger zur Aufnahme wichtiger Energie- und Datenleitungen sowie zur
Erhöhung der Stabilität wie auch die erhöhte Zahl von wasserdichten Abteilungen im
Vergleich zur F 122 zu nennen.

- Die Signatur des Schiffes (Geräuschabstrahlung ins Wasser, Radarrückstrahlfläche und
Infrarotemission) werden durch schiffbauliche Maßnahmen zur Verringerung der Verrats-
reichweite reduziert.

- Ausreichendes Wachstumspotential in Form von Raum- und Gewichtsreserven für Nach- und
Umrüstungen während der auf ca. 30 Jahre angesetzten Lebenserwartung des Schiffes ist
eingeplant. Es entsteht ein Schiff mit einer Verdrängung von ca. 4.500 t bei Ende deslifecycles.

- Die Lebensqualität an Bord wurde verbessert und entspricht den heute allgemein gültigen
Vorstellungen. Konsequente und am sinnvollen Einsatz orientierte Automation führt zu
Reduzierung der Besatzungsstärke ohne Verlust von Fähigkeiten und Redundanzen.

- Soweit möglich und vertretbar wurde beim Bau zur Kostenminimierung auf Handels-
schiffstandard zurückgegriffen.

Bewährte und dem heutigen Stand der Technik entsprechende Komponenten außer Dienst gestellter Schiffe wurden als Beistellung auf dem Waffensystem F 123 weiter genutzt.

3. Ausrüstung der F 123 zur Erfüllung des Aufgabenspektrums

Die politische Gesamtsituation hat sich während der Entwicklung und dem Bau der Fregatten
F 123 grundlegend geändert. Das Aufgabenspektrum und auch das Einsatzgebiet sind erweitert worden. Die Aufgabenstellung ist dagegen annähernd gleich geblieben.

- Seeraumüberwachung und Aufklärung.

- Gebiets- und Geleitsicherung gegen U-Boote in Küstengewässern, Randmeeren und offenen
Ozeanen.

- Beitrag zum Schutz eines Verbandes oder Konvois gegen Flugkörper- und Flugzeugangriffe.

- Seezielbekämpfung innerhalb einer Kampfgruppe.

- Taktische Führung eines Verbandes durch eingeschifften Stab.

- Beteiligung an Krisenoperationen.

Entsprechend diesen Forderungen ist die Fregatte F 123 mit wirkungsvollen Sensoren und Effektoren ausgestattet, die es ihr ermöglichen, sich im jeweiligen Seegebiet angemessen gegen

U-Bootsbedrohung, Luftbedrohung oder eine Bedrohung durch Überwassereinheiten durchzusetzen.

Ausreichende Seeausdauer ermöglicht große Flexibilität. Erhöhte Standkraft stellt sicher, daß die Einheiten trotz Treffereinwirkungen im Gefecht noch bedingt ihren Auftrag weiter verfolgen können.

Im gesamten schifftechnischen Bereich kommen bewährte, entsprechend den Erfahrungen mit der F 122 verbesserte Systeme zur Anwendung. Die Forderungen nach Wartungsfreundlich-keit, leichter Zugänglichkeit und notfalls problemloser Austauschbarkeit im Hinblick auf eine Reduzierung der Lebens- und Nutzungskosten wurden konsequent berücksichtigt.Insgesamt ist durch diese Maßnahmen die F 123 ein wesentlich robusteres und wartungsfreundlicheres Schiff geworden.

Im Führungs- und Waffeneinsatzbereich bildet der Zentralrechner AN/UYK 43 der Firma UNISYS das Herzstück. Er ver- und bearbeitet Daten und Informationen aller an Bord vorhan-denen Funktionsketten.

Das Waffen- und Führungssystem F 123 umfaßt im wesentlichen folgende Komponenten:

- Der Hauptaufgabe U-Jagd dient das Bug-Sonargerät DSQS 23B von Atlas Elektonik. Zwei
Bordhubschrauber mit Dipping-Sonar sowie eine der F 122 vergleichbare schiffsseitige
Torpedoanlage mit U-Jagd Torpedos ergänzen das System. Bis zur Einführung des Marine-
Hubschraubers 90 (MH 90) wird der Bordhubschrauber SEALYNX einsatzabhängig in den
Rollen Dipper und/oder Pony auf der F 123 eingesetzt.

- Seeraumüberwachung und Seezielbekämpfung erfolgen durch die Mittelbereichsradaranlage
SMART-S der Firma SIGNAAL in Verbindung mit EloUMAnlage FL 1800S II
(Elektronische Unterstützungmaßnahmen) der Firma DASA.

Die eingeschifften Bordhubschrauber unterstützen als Fremdorter und Aufklärungsmittel.
Seezielflugkörper MM 38 sowie das 76 mm Geschütz OTO MELARA in Verbindung mit
dem Multi Weapon Control System (MWCS) der Firma SIGNAAL komplettieren als
Effektoren die Funktionskette.

- Der Bereich Luftraumüberwachung und Luftzielbekämpfung wird durch das Weitbe-
reichsluftraumüberwachungsradar LW 08 der Firma SIGNAAL mit Videoextraktor
und IFF, dem ELOUM-Teil der FL 1800 S II, das 3D- Überwachungsradar SMART S -
ausgelegt auf die Entdeckung von Seaskimmern und Divern - sowie zwei STIR-Luftziel-
Track- und Beleuchtungsanlagen abgedeckt.

Gesteuert über das MWCS werden NATO SEASPARROW Flugabwehrflugkörper aus dem
erstmals in einer europäischen Marine eingesetzten Vertical Launch Systems
VLS MK 41 mod4 mit 16 Zellen (eine Erweiterung auf 32 Zellen ist möglich) eingesetzt. Zwei Startanlagen für den Nächstbereichsflugabwehrflugkörper RAM (Rolling Airframe

Missile) in Zusammenspiel mit dem ELoGM-Teil der FL 1800 S II (Elektronische Gegen-
maßnahmen), zwei BREDA Düppelwerferanlagen für den Verschuß von IR- und Radar-
Täuschkorpern sowie das 76 mm Geschütz ergänzen die Ausstattung zur Luftziel-
bekämpfung.

- Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang, daß von der Fregatte F 122 Niedersachsen im
Frühjahr 1994 das Waffensystem RAM erstmals voll automatisch vom FüWES gegen eine
Mehrfachbedrohung unter realistischen Bedingungen erfolgreich eingesetzt wurde.

Das System RAM hat seine Leistungsfähigkeit unter Beweis gestellt.

Der Einsatz aller an Bord verfügbaren Sensoren und Effektoren erfolgt aus der OPZ (Operations Zentrale), dem Führungs- und Waffen Einsatzzentrum (FÜWEZ); in seiner Struktur ähnlich der OPZ der F 122. Die Fülle der Daten wird im schon erwähnten Rechnersystem AN/UYK-43 aufbereitet und auf 12 Standard Konsolen zur Anzeige gebracht.

Neben der OPZ wurde für einen einzuschiffenden Stab ein separater Arbeitsbereich geschaffen, der OTC-Raum. Gespeist über das Führungssystem des Schiffes findet der Stab in dieser "Stabs OPZ" alle Daten und Informationen sowie Darstellungsmittel, um ein eigenes, auf die Belange des Stabes zur Führung eines Verbandes ausgerichtetes Lagebild zu erstellen.

Automation und Geräteausstattung sowie Geräteanordnung im Funkraum gewährleisten reibungslosen Arbeitsablauf beider Nutzer.

Mit der Fregatte F 123 ist ein Schiff geschaffen worden, welches mit Schwerpunkt U-Jagd den Forderungen des Nutzers ‘Nutzung moderner und bewährter Techniken’ gerecht wird.