Fregatte F 124
Sachsen.jpg (52052 Byte) F219 - FGS "Sachsen"

1. Allgemeine Darstellung

Mit der aus Altersgründen notwendigen Außerdienststellung der betriebskostenintensiven Zerstörer Klasse Z 103B ab Ende der 90ziger Jahre verringert sich die Fähigkeit der Verbandsflug-/ Flugkörperabwehr in der deutschen Marine. Darüber hinaus sinkt die Kapazität für Seeraumüberwachung, U-Jagd und Seezielbekämpfung wegen der unzureichenden zahlenmäßigen Verfügbarkeit von Schiffen.

Mit der Beschaffung der Fregatten Klasse F 124 wird ein Beitrag geleistet, diese Ausrüstungs- und Fähigkeitenlücke zu verringern. Die Marine benötigt 4 Fregatten Klasse F 124.

 

2. Vorgaben

Im Rahmen des in den Verteidigungspolitischen Richtlinien festgelegten Auftrages hat die deutsche Marine

- Seeverbindungen zu schützen,

- Angriffe gegen Küsten abzuwehren und

- sich an Krisenbewältigung zu beteiligen.

In der Landes- und Bündnisverteidigung ist die Einbindung deutscher See- und Seeluftkräfte in die Multinational Maritime Forces der NATO vorgesehen.

Die deutschen Streitkräfte können auch den Auftrag erhalten, sich an der Krisenbewältigung und Konfliktverhütung der internationalen Staatengemeinschaft, des Nordatlantischen Bündnisses oder anderer internationaler Sicherheitsinstitutionen politisch angemessen und militärisch wirkungsvoll zu beteiligen.

Der Fregatte F 124 wird der Aufgabenteil Flugabwehr / Verbandsschutz und Führung als Schwerpunkt übertragen.

Das Waffensystem Fregatte F 124 hat im Rahmen dieses Auftrages folgende Aufgaben:

- Verbandsflugabwehr:

Die Verbandsflugabwehr erfolgt als Verbandsschutz gemäß Fachkonzeption Flugabwehr der
Marine bei gleichzeitiger Fähigkeit zum Eigenschutz im Nah- und Nächstbereich.

Zur Abwehr von kleinen, schnellen Luftzielen (Seaskimmern) im Nah- und Nächstbereich ist
ein speziell ausgelegtes AAW-System mit optimiertem Radargerät erforderlich.

Kern ist das Flugkörpersystem Standard Missile 2 (SM 2) für den mittleren Bereich
(bis 50 nm / auch Verbandsschutz) in Verbindung mit dem Vertical Launch System
VLS MK41. Für den Nah- und Nächstbereich kommen die Flugkörpersysteme ESSM
(Evolved SEASPARROW Missile System) und RAM / RAM KWS (Rolling Airframe
Missile System / RAM Kampfwertsteigerung) zum Einsatz.

- Verbandsführung:

Führen und Leiten des Einsatzes von Seekriegsmitteln in See / vor Ort.

- Bekämpfen von Seezielen:

Die Bekämpfung von Seezielen richtet sich gegen alle gegnerischen Einheiten, die im
Einsatzgebiet zu erwarten sind. Diese Aufgabe ist sowohl im Rahmen der Gebiets- als auch
im Rahmen der Geleitsicherung wahrzunehmen.

An Effektoren werden das Seezielflugkörpersystem HARPOON und ein 76 mm Geschütz
zum Einsatz gelangen.

 - Bekämpfen von Ubooten:

Im Rahmen der Gebietssicherung richtet sich die Bekämpfung gegen alle gegnerischen
Uboote, die im Einsatzgebiet zu erwarten sind. Im Rahmen der Geleitsicherung erfolgt die
Abwehr von Ubooten, die den zu schützenden Verband bedrohen.

Als Sensor/Effektor sind vorgesehen: Bugsonar, 2 Torpedorohr-Zwillingssätze,

2 Bordhubschrauber MH 90 mit Dippingsonar und/oder Torpedos (Dipper/Pony).

Im Frieden und in einer Krise stehen die Aufgaben maritime Präsenz, insbesondere Überwachen, Aufklären und Führen eines Verbandes im Vordergrund.

Die Fregatte Klasse 124 wird weltweit überwiegend im Rahmen multinationaler Verbände, der NATO, der WEU, der Vereinten Nationen oder ähnlicher Organisationen eingesetzt.

Die personelle Besetzung, die Geräte- / Systemausstattung und der Grad der Automation sind so ausgelegt, daß das Schiff in der Lage ist, einer Mehrfachbedrohung verzugslos und gleichzeitig zu begegnen.

Die Leistungsmerkmale entsprechen den Anforderungen/Vorgaben an das WaffensystemFre-gatte Klasse F 124 einschließlich der zusätzlichen Forderungen nach Verlagerung des Schwerpunkts der operativen Fähigkeiten der F 124 von der Ubootbekämpfung zur Flugabwehr. Dazu wird die Fregatte F 124 mit einem weiterentwickelten FÜWES (Führungs- und Waffeneinsatz System) mit verteilter Rechnerstruktur ausgestattet. Das führt zu größeren Kapazitäten in der Datenverarbeitung, erhöhter Standkraft und einem höheren Grad an Integration von Waffen und Sensoren im Vergleich zur F 123. Diese Verbesserung ist insbesondere für den Aufgaben-schwerpunkt AAW (Flugabwehr) erforderlich.

Während der geforderten ununterbrochenen Stehzeit in See von 21 Tagen erfüllt die Fregatte Klasse F 124 alle Aufgaben mit der Stammbesatzung im Kriegswachsystem. Die operativen Fähigkeiten sind bis Seegang 6 gegeben.

3. Hauptdaten Fregatte F 124

- Länge ü.a. 143,00 m

- Länge KWL 131,45 m

- Breite H Deck 17,20 m

- Breite KWL 16,48 m

- Einsatzverdrängung ca 5.600 t

- Seeausdauer 21 Tage

- Fahrtstrecke mindestens 4.000 sm bei Dauer Marschgeschwindigkeit

- Höchstgeschwindigkeit mindestens 28 kn

- Dauer-Marschgeschwindigkeit mindestens 18 kn

- Unterbringungskapazität 237 Personen

Unterbringung von weiblichen Besatzungsmitgliedern

- Antriebsart CODOG:; 2-Wellenanlage: 38.000kW oder CODAG, 2 Wellenanlage

- Generatoren 4 x 1.000 kW

- Waffen- und Führungsmittel

- Sensoren Multifunktionsradar APAR

3 D Radar SMART L
FL 1800 S II (Elo UM)
SPS - 67
IFF
TDS
Sonar
Nav Radar
BHS Sonar

- Waffen VLS Mk 41 mit 32 Zellen für:
- SM - 2/Bl III A (ICWI) - und ESSM  (ICWI)
RAM (2x)
Seezielflugkörper HARPOON
LWT/2x3 ToRo/2x BHS MH 90, ggf. LCAW
SRBOC
FL 1800 S II (Elo GM)
Geschütz 76 mm (1x)

Kleinkalibrige Rohrwaffe (2x)
- Combat Direction System (CDS)
-     SW-Struktur SEWACO FD / SigmaSplice
-     Konsolen Mehrzweckkonsolen

 

4. Kooperation

In Zusammenarbeit mit den Niederlanden und Kanada wird das Multifunktionsradar APAR (Active Phased Array Radar) entwickelt, welches in Verbindung mit der DV-Architektur ‘SEWACO FD’ der Fa SIGNAAL (NL) zum Einsatz gelangen soll.

Durch Kooperation werden das Entwicklungsrisiko verteilt sowie Entwicklungs- und Beschaffungskosten niedrig gehalten.

Gleichzeitig erhält das Vorhaben Fregatte F 124 durch die Kooperation eine politische Dimension in den Bereichen "europäische Rüstungszusammenarbeit" und "Erhalt wehrtechnischer Mindestkapazitäten".

 

5. Beteiligte Werften / Hauptauftragnehmer

Die Definition wurde von den Werften Blohm + Voss AG, Bremer Vulkan Marineschiffbau GmbH, Howaldwerke - Deutsche Werft AG, Thyssen Nordseewerke GmbH unter der Leitung der Fa. Blohm + Voss gemeinsam durchgeführt, die sich hierzu zu einer Arbeitsgemeinschaft (ARGE F 124) zusammengeschlossen haben.

Die Arbeitsgemeinschaft Fregatte Klasse 124, ARGE F 124 unter Führung der
Fa. Blohm + Voss bietet aufgrund ihrer Kapazität, der technischen Leistungsfähigkeit und der Managementerfahrungen die Gewähr für eine erfolgreiche Abwicklung des Vorhabens. Die Firmenkonstellation hat sich bei dem Vorhaben F 123 bewährt.

 

6. Auftragnehmer für Entwicklungsanteile

APAR

Auftragnehmer für die Entwicklung von APAR (Active Phased Array Radar) ist Fa. Signaal. Vertragspartner gemäß MoU sind die Niederlande und Kanada. Für DEU hat die Firma
Daimler-Benz Aerospace AG (DASA) im Verhältnis der deutschen finanziellen Beteiligung einen Unterauftrag von Signaal erhalten.

AAW - System

Die Entwicklung des Anti - Air - Warfare Systems wird mit den Niederlanden und Kanada unter einem gesonderten MoU vereinbart.

Auftragnehmer ist die Firma Signaal in Kooperation mit DASA und DEBIS. Die Integration der US Softwareanteile zur Steuerung der Flugkörper SM - 2 und ESSM ist unter der entsprechenden Regierungsvereinbarung und dem Industrievertrag geregelt.

CDS - Software

Die Combat Direction System- Software wird in Verantwortung der ARGE F 124 entwickelt. Sie bedient sich dazu im Unterauftrag erfahrener Softwarefirmen, insbesondere der Fa. DASA und HSA, die auch an den Entwicklungen APAR und AAW - System beteiligt sind.

ESSM

Die Entwicklung des Flugkörpers ESSM (Evolved Seasparrow Missile) erfolgt über das NATO - SEASPARROW Konsortium. Der Auftragnehmer wird das Funktionieren der definierten Schnittstellen garantieren. Der Flugkörper selbst ist eine Beistellung des ÖAG. Auf der Basis der Regierungsvereinbarung wurde nach konkurrenzierender Ausschreibung die
Fa. "Hughes Missile Systems" (Tucson, Arizona) als Generalunternehmer für die Entwicklung ausgewählt. Der Vertrag zwischen der US - Navy als "Contracting Agency" des
NATO SEASPARROW Konsortiums und dem Generalunternehmer ist rechtswirksam.Deut-scherseits sind die Firmen RAMSYS, Diehl, BGT und DASA an der Entwicklung beteiligt.

7. Zeitplan

Der zeitliche Ablauf der Bauphase sieht nachfolgende Eckdaten vor:
Abschluß Bauvertrag am 15.06.1996 erfolgt
Abnahme 1. F 124 2002
Abnahme 2. F 124 2004
Abnahme 3. F 124 2005
(Abnahme 4. F 124 2006)

Die volle/uneingeschränkte Truppenverwendbarkeit soll mit der Fertigstellung der Einsatzsoftware und den mit dem ersten Schiff (ab 2002) durchzuführenden Erprobungs-/ Schießabschnitten ca 1 ½ Jahre nach Indienststellung erreicht werden.

In Abhängigkeit der Indienststellung der Fregatte Klasse F 124 ist die Außerdienststellung der Zerstörer Z 103B vorgesehen: 1. Einheit 1999, 2. und 3. Einheit ab 2002 abhängig vom jeweiligen materiellen Zustand der Einheiten. Die AD-Stellung Z 103B erfolgt so, daß als Beistellung/zur Weiterverwendung vorgesehenes Material termingerecht für die jeweilige F 124 zur Verfügung steht.