Korvette Klasse 130

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Mit dem erweiterten Aufgabenspektrum der Marine in der Ostsee und im Rahmen multinationaler Einsätze und in der Krisenreaktion werden Aufträge an die Marine herangetragen, bei denen die vorhanden Seekriegsmittel nur eingeschränkt eingesetzt werden können. Eine Fregatt
ist in küstennahen Seegebieten, in die direkt von Land eingewirkt werden kann, schon durch ihren Tiefgang behindert. Ein Schnellboot ist wegen der fehlenden Seeausdauer, Seegängigkeit und der Abhängigkeit von Instandsetzungs- und Versorgungseinrichtungen im Einsatzgebiet nur bedingt verlegbar und einsetzbar. Erforderlich ist ein Seekriegsmittel, das im küstennahen Bereich auch über einen längeren Zeitraum im Verbund mit anderen Seekriegsmitteln oder auf sich allein gestellt operieren kann. Vor diesem Hintergrund beabsichtigt die Marine Korvetten zu beschaffen, um die in diesem Bereich vorhandene Ausrüstungslücke zu schließen und um die international anerkannte Expertise im Einsatz von kleinen wendigen Seekriegsmitteln im küstennahen Bereich zu erhalten.
Der in der Zukunft erforderliche Ersatz der Schnellboote und die neuen Aufgaben der Marine im Krisenmanagement haben zu umfangreichen Untersuchungen geführt. Diese Ergebnisse sind bei der Erstellung des taktischen Konzepts für die Korvette eingeflosssen, das im Herbst 1995 gebilligt worden ist.

Die TTF ist im Herbst 1996 durch die eingerichtete Untergruppe erstellt worden und durch die zuständigen Stellen mitgezeichnet worden. Die Billigung dieses für die Beschaffung notwendigen Phasendokuments soll im 1. Hallbjahr 1997 erfolgen. Fernziel ist, die ersten Einheiten 2004 in Dienst zu stellen. Insgesamt ist die Beschaffung von 15 Korvetten vorgesehen.

Auf dem Weg zu einer detaillierteren Bestimmung des Entwurfes sind durch die Marine Eckdaten erarbeitet worden, die jedoch im einzelnen noch abgestimmt werden müssen und für diesen Artikel auch nur als Eckwerte zu verstehen sind.

Für die Plattform wird eine Reichweite von 2000 bis 3000 sm bei ökonomischer Fahrtstufe, eine Höchstgeschwindigkeit von 25 bis 35 kn, die Möglichkeit zur Schleichfahrt, eine Seeausdauer von 7 bis 10 Tagen, die Fähigkeit zur Querabversorgung in See, die Möglichkeit zum Betanken des MH 90 ohne Hangar und Einsatz und Führung einer Drohne vorgesehen. Dabei sind die Aspekte Umweltschutz, Reduzierung der Signaturen Infrarot, Radar, Akustik und Magnetik und die Mitnahme von einem Motorrettungskutter und eines Speedbootes zu berücksichtigen. Insgesamt soll das Fahrzeug ein gutes Seegangsverhalten mitbringen und über eine hohe Standkraft verfügen. Das vorgesehene Einsatzgebiet erfordert eine möglichst kleine Einheit mit geringem Tiefgang. Im Bereich Antrieb und E-Versorgung muß noch im Rahmen der taktisch technischen Forderung ein auf den endgültigen Entwurf abgestimmtes Konzept gefunden werden.

Die Besatzung soll vom Umfang her in der Lage sein mit zwei Wachen über einen längeren Zeitraum unter einfacher Bedrohungslage die Korvette zu fahren. Für die evtl. Einschiffung eines OTC sollen ca 26 Reservekojen vorgesehen werden.

Im Bereich Sensoren sind noch keine endgültigen Entscheidungen gefallen. Aus Planungsgründen und um den Gesamtentwurf kosten- und größenmäßig erfassen zu können sind die folgenden Vorgaben teilweise auch nur als Platzhalter festgelegt worden. Grundsätzlich wird ein modernes 3-D Rundsuchradar, ein SCA-Radar für die Hubschrauberleitung, eine eingeführte ELOKA-Anlage, elektrooptische Sensoren nach Möglichkeit mit Entfernungsmesser, eine leistungsfähige Radarfeuerleitanlage und eine elektrooptische Fernsteuerung für die kleinkalibrigen Rohrwaffen zum Einsatz kommen.

Als Effektoren sind mittel- und kleinkalibrige Rohrwaffen, ein RAM-Launcher, weitreichende "schwere" und "leichte" Seezielflugkörper und eine Täuschkörperwurfanlage vorgesehen.

Sensoren und Effektoren sollen über ein leistungsfähiges Führungs- und Waffeneinsatzsystem auf der Basis Fregatte 124 mit den Fähigkeiten für Link 11/16 (22) eingesetzt werden.

Für den Bereich Kommunikation ist eine Ausstattung auf der Basis von MC 195/4 und nationalen Vorschriften eingeplant.

Mit diesen Vorgaben sollen die taktischen Forderungen nach Seegängigkeit, Präsenz in den europäischen Küstengewässern, Selbstverteidigungsfähigkeiten gegen eine Überwasserbedrohung, logistische Unabhängigkeit für mindestens 7 Tage, Operation unter ABC-Bedingungen, Durchsetzungsfähigkeit gegen kleine schnelle Seekriegsmittel im Artilleriegefecht sichergestellt werden.

Insbesondere sind die Risiken bei Operationen in Küstennähe zu berücksichtigen, bei denen jederzeit mit unkonventionellen und verdeckten Angriffen von Land aus gerechnet werden muß.

Darüber hinaus soll die Korvette in Nebenaufgabe auch in der Lage sein bei Embargokontrollen, allgemeinen Friedensaufträgen der Marine, bei der Wahrnehmung "hoheitlicher Aufgaben" und zum Schutz von Handelsschiffahrt und Fischerei beitragen.

Die anspruchsvolle Aufgabe diese Forderungen umzusetzen hat im Frühjahr 1996 dazu geführt, daß Vertreter der in Frage kommenden Werften aufgefordert wurden ihre Vorstellungen für eine Realisierung an Hand von existierenden Exportentwürfen der Untergruppe vorzutragen. Im Rahmen dieser für die Rüstungsbeschaffung ungewöhnlichen Vorgehensweise sind verschiedene projektierte und gebaute Korvettenentwürfe betrachtet worden. Dabei sind Ausführungen in höher festem Stahl, Verbundwerkstoffe und Kombinationen aus konventionellem Schiffbaustahl und leichteren Werkstoffen diskutiert worden, um der Forderung nach einer leichten Plattform und damit geringem Tiefgang nachzukommen. Insbesondere für einen solchen "leichten Entwurf" wurden die Auswirkungen auf die Standkraft, die Kosten und die Risiken beim Einsatz neuer Technologien erörtert. Außerdem wurden innovative Möglichkeiten zur Gewichtsreduzierung im Antriebskonzept vorgestellt. Betrachtet wurden unter anderem Wasserstrahlantriebe, leichte Gasturbinen und verschiedene Kombinationsmöglichkeiten aus.
Eine abschließende Entscheidung über den endgültigen Entwurf wird jedoch erst nach Billigung der Technisch-Taktischen Forderung, die Anfang 97 angestrebt wird, zu erwarten sein.