Logistik und Rüstung der Marine

  1. Rahmenbedingungen

Die wichtigsten Rahmenbedingungen für die Bundeswehr, für die Marine und damit auch für die Beschaffung neuen Wehrmaterials und für die Logistik in der Marine lassen sich auf folgende Sachverhalte konzentrieren:

 

Diese Rahmenbedingungen finden ihren Niederschlag in laufenden Bemühungen zur Anpassung von Strukturen und Abläufen in Logistik und Rüstung. So sind einschneidende Veränderungen im Rüstungsprozeß zu erwarten aus der Abschichtung und Verlagerung der Gesamtverantwortung für die Realisierung von Rüstungsvorhaben auf das BWB.

  1. Auftrag der Logistik

Der Auftrag der Logistik orientiert sich am Auftrag der Marine, einschließlich der Unter-stützung von Einheiten weit außerhalb der nationalen Hoheitsgewässer und auch über längere Zeiten. Unterstützungsleistungen müssen ggf. sehr kurzfristig, z.B. im Rahmen von Krisenoperationen und in einem vorher nicht bekannten Operationsgebiet, zur Verfügung gestellt werden.

Aus dem generellen logistischen Auftrag, die materielle Einsatzfähigkeit der Marine in Frieden, Krise und Konflikt den jeweiligen Einsatzerfordernissen entsprechend sicherzustel-len und anzupassen, ergeben sich folgende grundsätzliche Aufgaben für die Logistik:

Der Friedenausbildungsbetrieb muß materiell sichergestellt sein.

  1. Organisation und Funktionen
  2. Der Inspekteur der Marine trägt für die Einsatzfähigkeit der Marine und für die Logistik die Gesamtverantwortung. Der Führungsstab der Marine, Stabsabteilung II führt Planung, Lenkung und Kontrolle der Logistik und der Rüstungsanteile der Marine auf ministerieller Ebene durch. Während der Befehlshaber der Flotte und der Amtschef des Marineamtes für die mateirielle Versorgung der ihnen unterstellten Einheiten verantwortlich sind, ist der Kommandeur Marineunterstützungskommando (MUKdo) für Planung, Lenkung und Kontrolle des Logistischen Systems der Marine zuständig.

    Im MUKdo werden Managementleistungen für Waffensysteme und Geräte im Entstehungs-gang von Wehrmaterial und in der Nutzung erbracht. Im Rahmen dieses Managementpro- zesses bringt MUKdo - in engem Dialog mit Flottenkommando und Fü M sowie in Abstim-mung mit der zivilen Bundeswehrverwaltung, namentlich dem Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung (BWB) - militärische und logistische Beiträge und Forderungen in den Entwicklungsgang neu einzuführender Schiffe, Geräte und Anlagen ein und betreut diese in der Nutzungsphase.

    Im Gegensatz zu Heer und Luftwaffe unterhält die Marine keine eigenen Kapazitäten zur Materialerhaltung auf der Depotebene. Während die Planung und Lenkung der Instandsez-zung - sei es für langfristig geplante Werftliegezeiten oder für dringende "Sofortinstand- setzung" - durch das MUKdo erfolgt, so wird die Durchführung solcher Materialerhaltungs-maßnahmen, nach sorgfältiger Prüfung der Notwendigkeit und Finanzierbarkeit, von der Marine dem zum BWB-Bereich gehörenden Marinearsenal übertragen. Dieses wiederum läßt einen Teil der Arbeiten in eigenen Betrieben durchführen, während der Großteil an die Industrie vergeben wird. Die Betriebskosten der Marinearsenale werden aus dem BWB finanziert, die Industrievergaben gehen zu Lasten des Materialerhaltungstitels der Marine.

    Zentrale Materiallenkung, Bedarfs- und Bestandsdisposition sind weitere wesentliche Funk-tionen des MUKdo für die Marinelogistik. Hier wird die Zentralübersicht geführt über den Bestand sämtlichen in der Marine vorkommenden und benötigten Materials, seien es Ersatz- oder Austauschteile, Verbrauchsmaterial, Kraft- und Schmierstoffe oder Munition. Hier erfolgt die Disposition und die Einleitung der Folgebeschaffungen. Auf diese Weise dis-poniert MUKdo derzeit, inkl. der Materialbestände in Depots und Stützpunkten, insgesamt mehr als 500 000 verschiedene Versorgungsartikel, davon ca. 150 000 VersArt als ständig wiederkehrenden Bedarf.

    Für die Durchführung der logistischen Aufträge ist im wesentlichen der nachgeordnete Bereich des MUKdo mit den Marineabschnittskommandos (MAKdo) verantwortlich.

    Mit den ihnen unterstellten Material- und Munitionsdepots sind sie die eigentlichen Drehscheiben für alles von den Seestreitkräften benötigte Material und auch der übrigen Serviceleistungen. Logistische Unterstützung wird dabei nicht nur für die im jeweiligen Stützpunkt stationierten Einheiten erbracht, sondern vor allem auch, wenn die Einheiten in See üben oder in entfernten Seegebieten operieren. Die logistische Unterstützung umfaßt dabei alle denkbaren teilleistungen: Nachschub von Versorgungsgütern aller Art, Bereit-stellung von Instandsetzungsleistungen, sanitätsdienstliche Versorgung sowie Hilfe bei der administrativen Abwicklung vor Ort.

    Diese Unterstützungsleistungen müssen auch an häufig wechselnden Orten - oft über große Entfernungen - und nicht langfristig planbar erbracht werden. Dafür lohnte sich die Aufstellung und der Betrieb militärischer Einrichtungen am Unterstützungsort bisher in der Regel nicht; die logistische Unterstützung unserer Einheiten in außerheimischen Gewässern bediente sich bereits seit längerem der Leistungen privatwirtschaftlicher Unternehmen sowohl für den Transport als auch für die Abwicklung von Serviceleistungen vor Ort.

  3. Herausforderungen
  4. die bisher bewährte Marinelogistik sieht sich künftig mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Die Unterstützung von Einheiten der Marine außerhalb des deutschen Territoriums war bisher quantitativ, regional und zeitlich begrenzt. Das logistische System hatte seine Optionen auf diese Bedingungen optimiert. Die neuen militärpolitischen Zielsez-zungen verlangen nun auch den Einsatz weit außerhalb des bisherigen Operationsgebietes, ggf. über lange Zeiträume und auch von Einheiten, die bisher dafür nicht vorgesehen waren.

    In der Vergangenheit war die Logistik eine rein nationale Angelegenheit - auch innerhalb integrierter Verbände der NATO. Dieser Aufgabenverteilung entsprechend haben alle Nationen ihre nationalen Logistischen Systeme aufgebaut und parallel zueinander betríeben, mit kostspieligen Redundanzen, die beim Einsatz multinationaler Verbände augenfällig wur-den. Darum hat die NATO vereinbart, daß Logistik zukünftig eine gemeinsame Verant-wortung der jeweiligen NATO-Befehlshaber und der beteiligten Nationen sein soll. Wichtig dabei ist allerdings, daß trotz des Postulates der gemeinsamen Verantwortung die "ultimate responsibility" - sicherheitshalber- bei den Nationen selbst bleibt.

    Da zukünftige Einsätze der Bundeswehr außerhalb des eigenen Territoriums aber nicht nur unter dem Dach der NATO, sondern auch unter anderen Rahmenbedingungen vorstellbar sind, müssen Forderungen nach logistischer Unterstützung auch unter den veränderten Einsatzbedingungen erfüllbar sein. Somit gat die Entwicklung und Realisierung von zu-sätzlichen Optionen für die national eigenverantwortliche Unterstützung unserer See- und Seeluftstreitkräfte, auch als Basis für unseren Beitrag für die neue logistische Verant-wortung innerhalb des Bündnisses, Vorrang. Für die Unterstützung von Krisenreaktions-kräften ist daher - ergänzend zu den bisherigen Verfahren - an die Einrichtung eines Ab-stützpunktes am Rande des jeweiligen Einsatzgebietes gedacht. Diese muß im Extremfall eine vollkommen autark betriebene Einrichtung sein, die alle Komponenten der rück-wärtigen Unterstützung umfaßt, wo Instandsetzung, Versorgung, sanitätsdienstliche Unter-stützung und Betreuung mobil und flexibel einsetzbat sind und der über längere Zeiträume auch unter ungewohnten klimatischen Bedingungen und mit minimalem HOST NATION SUPPORT betrieben werden kann.

  5. Straffung des Systems

Dem zu Beginn geschilderten Spannungsverhältnis von immer knapper werdenden Mitteln und erweitertem Aufgabenspektrum wird die Marine durch Rationalisierung und Opti-mierung gerecht. So hat die Marine die früher im Marineamt betriebene "Rüstung" sowie die Aufgabe "Betrieb der Flotte" unter dem Admiral "Betrieb und Rüstung" im MUKdo zusammengeführt. Weiter hat die Marine die Marineabschnittskommandos (MAKdo) mit den ihnen ehemals unterstellten Marinestützpunktkommandos verschmolzen. Der Abbau nicht mehr benötigten Depotsraumes ist in Angriff genommen worden. Rückzuführendes Material aus aufzulösenden Auslandsdepots wird die Belegungskapazität der Inlandsdepots mittelfristig auf über 90 % anwachsen lassen. Nach endgültiger Aufgabe aller Auslands-depots (ca. 2000) und weiterer Absenkung der Inlandsvorräte auf einen vertretbaren Bedarf wird weiterer Depotraum im Inland zur Aufgabe anstehen.

Diese Aufgabenverdichtung ist natürlich mit einer deutlichen Personalreduzierung ver-bunden gewesen. Ein derartiger Personallabbau hat sicherlich einige Nachteile, bietet aber auch erhebliche Chancen:

 

Das Logistische System der Marine hat sich in der Vergangenheit voll bewährt. Seit Jahren liegt die Erfüllungsquote aller Anforderungen - trotz stetigen Absenkens der Vorräte nach Menge und Wert der gebundenen Kapitals - deutlich über 80 %. Vor dem Hintergrund neu- er Aufgaben steigen jedoch die Anforderungen an die Marinelogistik bei gleichzeitig abneh-menden finanziellen und personellen Ressourcen. Dieser Herausforderung, die neuen, auf-wendigen Anforderungen an dei Unterstützung der Flotte zu realisieren bei zunehmender Ressourcenknappheit und einer damit einhergehenden strengen Orientierung an Wirtschaft-lichkeit in Betrieb und Rüstung der Streitkräfte, stellt sich die Marinelogistik mit Zuversicht.

Die Motivation der Mitarbeiter für die Rationalisierung des Betriebes der Marine ist dabei einer der Schlüssel zum Erfolg. Dazu muß der militärische Führer und der zivile Mitarbeiter erfahren können, daß die erwirtschafteten HH-Mittel aus Rationalisierung und Verringerung der Personalbetriebskosten im Grundsatz dem Verteidigungshaushalt erhalten bleiben müssen. Nur so können der investive Anteil erhöht und die Anfangsinvestitionen geleistet werden, die für Rationalisierungen erforderlich sind. Denn wirtschaftliches Rationalisieren erfordert häufig erst einmal Investitionen.

Richtungsweisend in diesem Anpassungsprozeß sind hierbei die Hauptziele, die sich die Marineführung für die Zukunft gesetzt hat: Erhalt einer ausgewogenen, modernen Flotte.