Bordhubschrauber SEA LYNX MK 88A ( 4. Los )

LynxonSea.gif (14042 Byte)

Sea Lynx-Bordhubschrauberbestand

Der Hubschrauber Sea Lynx MK 88 wurde 1981 für den bordgestützten Einsatz auf den Fregatten 122 ( BREMEN-Klasse ) eingeführt.

Sie sind eine wesentliche Voraussetzung für den wirkungsvollen Einsatz dieser Schiffe und werden benötigt:

- zur Aufklärung/Zieldatenübermittlung für das Schiff beim Einsatz gegen Überwasser-
streitkräfte oder Embargokontrolle in See;

- Ubootabwehr/UBootjagd;

- Personen-/Materialtransport bei Operationen wie Versorgung in See, Verwundeten-/
Evakuiertentransport, ggf. SAR in See.

Für 8 Fregatten wurden in 3 Losen insgesamt 19 Bordhubschrauber beschafft. Die Forderungen für den Bordeinsatz und die Ausbildungserfordernisse zur Regeneration von Besatzungen konnten damit nie ganz erfüllt werden. Die aus dem Fehl an Bordhubschraubern resultierende Auftragseinschränkung für die seit 1981 im Einsatz stehenden Fregatten 122 ist bekannt. Dieses Defizit konnte zeitweilig gerade noch hingenommen werden. Nach dem Verlust von 2 Sea Lynx im Einsatz/Ausbildungsflugbetrieb und dem Zulauf der Fregatten 123 (BRANDENBURG-Klasse), bis Ende 1996 kommen 4 Schiffe hinzu, ist die Anzahl von 17 Bordhubschraubern nunmehr absolut unzureichend. Die Einsatzfähigkeit einer ganzen Flottille von Fregatten ist stark beeinträchtigt.

 Nachrüstmaßnahmen

Im Zeitraum 1998 - 2001 werden Änderungs-/Nachrüstmaßnahmen zur Verbesserung der Zuverlässigkeit und zum Erhalt der Einsatzfähigkeit der vorhandenen Sea Lynx-Bordhubschrauber notwendig.

Als Hauptarbeitspakete können genannt werden:

- Änderung von Heckrotor und Heckrotorantrieb,

- Strukturverstärkung der Rumpfunterschale.

Mit diesen Technischen Änderungen werden auch die in diesem Jahr aufgetretenen Festigkeitsprobleme durch "lose Nieten", die zu starken Einbrüchen in der Einsatzbereitschaft und sogar befristet zur Einstellung des Flugbetriebs führten, dauerhaft behoben.

Andere Technische Änderungen wie der Austausch der Metallrotorblätter durch Kompositblätter und die Modifizierung der Triebwerke auf den GEM 42-1 Standard werden bereits durchgeführt.

Außer den technisch-logistischen Erfordernissen stehen noch operative Forderungen zur Realisierung an, die zum Teil in gesetzlichen Auflagen begründet sind ( z.B. Mode "S"-Transponder für den zivilen Flugsicherungsdienst ).

Für die Dauer dieser Nachrüstmaßnahmen wird die Anzahl verfügbarer/einsatzbereiter Bordhubschrauber nochmals deutlich unter den derzeitigen Durchschnittswerten liegen.

 

Aufstockung mit einem 4. Los Sea Lynx MK 88A

Ursprünglich war die Marineplanung darauf abgestellt mit Zulauf der Fregatten 123 (BRANDENBURG-Klasse ) einen neuen Marinehubschrauber ( MH 90 ) in der Flotte zu haben.

Heute zeigt sich, daß auch bei planmäßigem Zulauf der Fregatte 124 ein einsatzfähiger MH 90 noch nicht verfügbar sein wird und die bedarfsgerechte Ausrüstung der Marine erst langfristig realisiert werden kann. Auf die Nachbeschaffung eines im Bw Plan 94 ausgewiesenen 4. Loses Sea Lynx mußte schließlich aus finanzplanerischen Gründen verzichtet werden. Kauf- und Leasinganfragen für Sea Lynx bei anderen Marinen zur temporären Defizitverringerung blieben ohne Erfolg.

Das akute operative Problem wird auch durch den ab 2007 prognostizierten Zulauf des von der Marine dringend benötigten und unverzichtbaren MH 90 nicht gelöst.

Die Auftragseinschränkung ist so schwerwiegend, insbesondere wegen der erheblichen Einschränkung der KRK-Fähigkeit der Fregatten, daß ihre Beseitigung kurzfristig erfolgen muß.

Zur Deckung des vordringlichsten operativen Bedarfs bleibt nur die kurzfristige Beschaffung weiterer 7 Sea Lynx mit einem 4. Los.

Dies ist unter dem Aspekt der operativen Notwendigkeit die einzige Lösung. Eine Alternative hierzu gibt es nicht.

Die Auslieferung der Hubschrauber ist für 1999 geplant.

Mit einer dann verfügbaren Anzahl von 24 Bordhubschraubern läßt sich zunächst das größte Defizit abbauen. Auch der Zeitraum für die Nachrüstung der vorhandenen Sea Lynx-Flotte kann dann ohne weitere Einbrüche in der Einsatzbereitschaft überbrückt werden.

Die Beschaffung soll als Kauflösung ("off the shelf") auf der Basis des Super Lynx Build Standards bei GKN-WHL Ltd. erfolgen. Der Konstruktionsstand der MK 88 soll soweit wie möglich erhalten werden.

Außer der ASW-Fähigkeit mit AN/AQS 18 Dipping Sonar werden die Hubschrauber Sea Lynx MK 88A auch zum Einsatz der Seeziel-LFK Sea Skua ausgelegt. Für die Nachtsichtfähigkeit sind sie mit einem FLIR (Marconi Multi Sensor Turret) ausgerüstet. Die Leistungsfähigkeit der Navigationsanlage wird durch die Integration eines GPS erhöht. Auf die Ausrüstung mit einer Elektronischen Selbstschutzeinrichtung mußte verzichtet werden. Ihre Realisierung ist im Kosten- und Zeitrahmen des Vorhabens wegen notwendiger Anpassentwicklungen nicht möglich.

Zusammenfassung

Eine bedarfsgerechte Ausrüstung der Marine mit Hubschraubern nach Anzahl und Fähigkeit wird erst langfristig zu realisieren sein. Die Erwartungen der Marine richten sich dabei konsequent und unverändert auf die Einführung des MH 90 als Nachfolger des SAR-Hubschraubers Sea King als auch des Bordhubschraubers Sea Lynx, der als einheitlicher Marinehubschrauber im gesamten Aufgabenspektrum sowohl an Bord als auch an Land eingesetzt werden kann.

Zulauf und Herstellung der vollen Einsatzfähigkeit des MH 90 wird sich über einen längeren Zeitraum erstrecken. Auch bei einem optimalen Zulauf des MH 90 sind die 12 Fregatten 122 und 123 über das Jahr 2010 hinaus immer noch auf die Sea Lynx-Bordhubschrauber angewiesen. Bis zur Ablösung der Fregatten 122 und Ersatz des letzten Schiffes dieser Klasse durch einen Nachfolger bleiben die Sea Lynx-Bordhubschrauber im Dienst, so daß für die noch zu beschaffenden Sea Lynx des 4. Loses eine Nutzungsdauer von mindestens 20 Jahren vorhersehbar ist.

Die Bordhubschrauber des 4. Loses verfügen durch ihre weiterentwickelte Ausrüstung auch über Fähigkeiten in der Überwasserseekriegsrolle. Die derzeit vorhandenen Ausrüstungsdefizite der Sea Lynx MK 88-Bordhubschrauber hinsichtlich Nachtsichtfähigkeit sowie einer Bewaffnungsmöglichkeit mit Seeziel-LFK werden damit reduziert.

Nach Durchführung der geplanten Umrüstmaßnahmen zur Verbesserung der Zuverlässigkeit und zum Erhalt der Einsatzfähigkeit der vorhandenen Sea Lynx-Bordhubschrauber können diese ohne Einschränkung operativ und logistisch verträglich mit den nachbeschafften Hubschraubern des 4. Loses eingesetzt werden.