Minenabwehrausrüstung 2000 ( MA 2000 )

Ein Ausrüstungskonzept für die Minenabwehr der Zukunft!

Die Minenabwehr wird einerseits durch die Minentechnik und andererseits durch Umweltparameter wie Hydrographie, Geographie und Meerestopographie beeinflußt. Die Technik zum Bau einer Mine und des Zündsystems reicht heute vom sehr einfachen bis zum High-Tech-Standard.

Minen sinken in den Meeresboden ein, sie liegen versteckt in Stein- und Muschelfeldern oder sind aufgrund von Temperatur- oder Salzschichtungen nicht ortbar. Somit werden auch vergleichsweise einfache Minen eine erhebliches Problem für die Minenabwehr.

Die Marine unternimmt deshalb große Anstrengungen, um Lösungsmöglichkeiten für diese Problembereiche zu finden und das mögliche Restrisiko, welches heute noch nach Minen-abwehroperationen besteht, zu beseitigen.

Das Ausrüstungskonzept Minenabwehr 2000 hat die Zielsetzung, die materielle Struktur der Minenabwehrkomponente der Marine 2005 zu ermitteln und festzuschreiben. Dabei sollen im einzelnen Lösungsmöglichkeitensmöglichkeiten zur Schließung der erkannten Ausrüstungslücken untersucht und konkrete Realisierungskonzepte für einzelne Teilbereiche entwickelt und erarbeitet werden.

Die Studiengruppe Unterwasserseekrieg hat, beginnend in 1987, in Zusammenarbeit mit dem Amtsbereich und der Industrie Studien eingeleitet, die Lösungsmöglichkeiten zur Schließung der Ausrüstungslücken im Bereich Minenabwehr untersuchen., die sich aus den ausrüstungsbedingten Leistungsgrenzen der derzeitig eingeführten Minenjagd- und Minenräumgeräteausstattung und die sich nach unvermeidbarer Außerdienststellung der Klassen 331 B, 351, 393 und 394 ab 2000 ergeben.

Als Ergebnis dieser Studien sieht das im Januar 1991 gebilligte Taktische Konzept MA 2000 ein schrittweises Vorgehen für die Arbeiten im weiteren Phasenvorlauf vor.

Zunächst sollen realisierbare Leistungssteigerungen bei der Minenjagdausrüstung untersucht und bestimmt werden. In Abhängigkeit dieser Ergebnisse sollen dann, in einem zweiten Schritt, erforderliche Maßnahmen im Bereich mechanisches Räumen und Simulationsräumen als Ergänzung untersucht werden.

Und dann soll in einem dritten Schritt die Frage nach dem Erfordernis neuer Minenabwehrfahrzeuge beantwortet werden.

Die Untersuchungen des ersten Schrittes ergeben, daß mit dem Konzept MA 2000 folgende Fähigkeiten erreicht werden müssen:

Daraus abgeleitet erhält das zukünftige Minenjagdkonzept MJ 2000 folgende Elemente:

Diesem Konzept folgend ergibt sich für die MJ 2000 folgendes Systemkonzept:

Die Aufklärung des Einsatzgebietes erfolgt durch abgesetzte, ferngesteuerte und abgesenkte Sensoren. Der Sensorträger wird in festgelegter Höhe über dem Seeboden geschleppt und ist mit den Antennen des Oberflächen-und des Sedimentsonars ausgerüstet. Mit dem Seitensichtsonar werden durch Schallbilder die erforderlichen Informationen und Daten übermittelt, die es ermöglichen Bodenkontakte zu entdecken und zu identifizieren. Das mit niedriger Frequenz arbeitende Sedimentsonar entdeckt eingesunkene oder eingegrabene Minen.

Der Sensorträger wird von einem Überwasserfahrzeug ( "SEEPFERD" ) geschleppt. Das "SEEPFERD" ist ein Einrumpfboot von ca 100 t Gesamtgewicht, ähnlich dem bewährten TROIKA-Prinzip. Je zwei SEEPFERDE mit ihren Schleppsonaren werden von einem Minenjagdboot eingesetzt.

Das "SEEPFERD" wird durch einen Ruderpropeller und zwei Pumpjets angetrieben. Die schockfeste Struktur des Rumpfes enthält u a die Elektronik der Sonare, die Funkanlage zur Übertragung der Sonardaten und die Fernlenkeinrichtung der SEEPFERDE selbst.

Die Fernlenkung wird durch Satellitennavigation GPS gestützt und ist weitgehend vollautomatisch.

An Bord des Minenjägers werden die Sonarbilder mit rechnergestützten Bilderkennungsverfahren aufbereitet. Es werden soviel Informationen über die zu bekämpfende Mine geliefert, das es möglich ist, auf das heutige noch erforderliche Identifizierungsverfahren durch PAP oder
Pinguin zu verzichten.

Damit eröffnet sich für die Minenbekämpfung die Möglichkeit zum Einsatz der Einwegdrohnen SEEFUCHS oder SEEWOLF. Diese sehr billigen Einwegdrohnen enthalten nur noch eine eigene Sensorik zur Ansteuerung der Mine. Sie werden über einen Lichtwellenleiter vom Minenjäger aus geführt und neutralisieren mit ihrer Sprengladung sowohl Grund- und Ankertau- als auch eingesunkene Minen mit hoher Zuverlässigkeit. Damit wird die Bekämpfungszeit der Minen außerordentlich verkürzt.

Die Konzeptstudie zur Bestimmung der Minenjagdausrüstung 2000 wurde 1994 abgeschlossen und wird bis 1997 um gezielte Realisierungsuntersuchungen zu Schlüsselkomponenten und Schlüsseltechnologien ergänzt.

Der Abschluß der Entwicklung der Minenjagdausrüstung ist für das Jahr 2004 geplant.

Die Überlegungen des zweiten Schrittes führten zur Realisierung des Minenräumanteils
MA 2000 durch das Umrüstvorhaben HL 343.

Nach Außerdienststellung der Minenabwehrfahrzeuge der Kl 351 am Ende diesen Jahrzehnts wird die Fähigkeit zum Simulationsräumen mit den Seehunden HFG-F1 durch die Umrüstung von 5 Einheiten der Klasse 343 zu Lenkfahrzeugen weiterhin sichergestellt.

Überlegungen zu neuen Minenabwehrfahrzeugen erfolgen z.Zt. nicht, da der operative Bedarf von mindestens 20 Minenabwehrfahrzeugen mit den geplanten Programmen abgedeckt wird.

Damit verfügt die Flotte zu Beginn des nächsten Jahrtausend über 17 Minenjagd und 5 Minensucheinheiten auf der Basis der Einheitsplattform für Minenabwehrfahrzeuge.

Die Einheitsplattform für Minenabwehrfahrzeuge zeichnet sich durch hohe Schockfestigkeit, durch hohen magnetischen Eigenschutz und durch geringe akustische Abstrahlungen aus.