Die Marineflieger
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"In der modernen Seekriegsführung gibt es nahezu keine Aufgabe, zu deren Erfüllung Marineflieger nicht direkt oder indirekt beitragen" (Admiral a.D. Luther).

Der Auftrag der Marineflieger leitet sich aus dem Auftrag der Flotte ab und läßt sich allgemein formuliert mit "Führung des Seekrieges aus der Luft" zusammenfassen.

Aus diesem allgemein formulierten Auftrag lassen sich folgende Hauptaufgaben ableiten:

- Aufklärung (Foto / Sicht) und Seeraumüberwachung in den Einsatzgebieten der Marine,
- Fernmelde - Elektronische Aufklärung
- Bekämpfung feindlicher Überwasserstreitkräfte,
- Bekämpfung feindlicher Uboote,
- Durchführung des SAR Dienstes

Wie alle anderen Typkommandos ist die Flottille der Marineflieger dem Befehlshaber der Flotte unterstellt. Der Kommandeur der Flottille der Marineflieger ist diesem für die Herstellung und Erhaltung der Einsatzbereitschaft der ihm unterstellten Geschwader verantwortlich.

Die Flottille der Marineflieger hat ihren Sitz in Kiel-Holtenau, der Stab der Flottille besteht aus den klassischen Stabsabteilungen, Personal, Nachrichtenwesen, Einsatz, Logistik und Fernmeldewesen sowie Spezialabteilungen wie Flugsicherheit, Standardisierung, Flugsicherung, Geophysik und Sanität.

Mit der Umstrukturierung der Marineflieger wurden die Geschwader in eine Zweigruppenstruktur überführt, in die Einsatzgruppe / Fliegende Gruppe und eine Unterstützungsgruppe / Technische Gruppe. Die ehemaligen Horstgruppen mit ihrem Sicherungspersonal wurden aufgelöst, das Sicherungspersonal der Marine zentralisiert und die übrigen Aufgaben wie Sanität und Nachschub auf den Geschwaderstab und die beiden Gruppen verteilt. Das Flugabwehrsystem ROLAND ist allerdings in den Geschwadern (MFG 2, MFG 3) verblieben.

Der Flottille der Marineflieger sind drei Geschwader unterstellt:

- das MFG 2 in Tarp / Eggebek mit 54 TORNADO in der Aufklärungs- und Jagdbomberrolle
    mit drei Fliegenden Staffeln (zwei Einsatzstaffeln und einer Ausbildungsstaffel).

- das MFG 3 "Graf Zeppelin" in Nordholz mit 18 BREGUET ATLANTIC (14 Ujagd- Seefernaufklärer, 4 SIGINT), 17 SEA LYNX Bordhubschraubern (weitere 7 im Zulauf),        
    einer DO 228 LM zur Überwachung der Öl- und Meeresverschmutzung und 2 DO 228 LT Lufttransport.

- das MFG 5 in Kiel Holtenau mit 22 SEA KING Hubschraubern in der SAR Rolle.

 

 

TORNADO

Das Waffensystem TORNADO ist durch seine einzigartige marinespezifische Ausrüstung und Bewaffnung zu einem vielseitig einsetzbaren Seekriegsmittel in der Hand des Befehlshabers geworden. Herausragende Merkmale des Marine TORNADO sind:

- die Fähigkeit, schnell in die Tiefe des Operationsgebietes wirken zu können,

- die Fähigkeit zur autonomen und zur verbundenen Überwasser-Seekriegsführung,

- die Durchsetzungsfähigkeit unter Luftbedrohung,

- die weitgehende Allwetterfähigkeit und

- die Fähigkeit zum auftragsbezogenen, flexiblen Kräfte- und Waffenansatz.

Der TORNADO ist ein flexibel einsetzbares Waffensystem. Als Aufklärungsinstrument leistet er mit den vorhandenen abbildenden Sensoren einen substantiellen Beitrag zur maritimen Lagebilderstellung und zur allgemeinen küstennahen Aufklärung . Als Jagdbomber kann er in direkter Unterstützung von Überwasserstreitkräften gegnerische Überwassereinheiten mit Abstandswaffen oder Bomben bekämpfen, Minen legen oder gegnerische Überwachungs- und Feuerleitradare mit dem Flugkörper HARM unterdrücken und bekämpfen.

In der Rolle Fotoaufklärung wird er mit drei verschiedenen Kamerasytemen, die sich alle in einem Aufklärungsbehälter befinden, eingesetzt, einer Tiefflugpanoramakamera, einer schwenkbaren Abstandskamera mit langer Brennweite und einem "Infrarot-Linescanner". Eine mobile Luftbildauswertekomponente gewährleistet eine schnelle und hochwertige Bildauswertung beim Einsatz von Marine TORNADO von einem anderen Flugplatz als dem Heimatplatz.

Als Jagdbomber verfügt der TORNADO über Bomben (MK 83, Mk 82), Bordkanone, den Lenkflugkörper KORMORAN als Abstandswaffe gegen Seeziele und den Flugkörper HARM gegen gegnerische Radarsysteme. Durch den Abwurf von Mehrzweckbomben mit Minenzündern kann der TORNADO auch zu Minenlegeoperationen eingesetzt werden. Ergänzt wird die Bewaffnung durch passive und aktive ELOKA Systeme.

Die Rollen Begleitschutz und Luftbetankung (als Tanker) sind als unterstützende Rollen zu sehen. In der Begleitschutzrolle ist der TORNADO mit dem Nahbereichsflugkörper Aim 9L zur Bekämpfung / Abwehr feindlicher Flugzeuge ausgerüstet.

Als Tanker ausgerüstet trägt der TORNADO einen zusätzlichen Tank und eine Betankungsvorrichtung mit dem andere TORNADO in der Luft betankt werden können. Marine TORNADO können selbstverständlich auch an den Großtankern der Verbündeten Treibstoff übernehmen, was bei Verlegungen über den Atlantik oder größeren NATO Übungen regelmäßig durchgeführt wird.

BREGUET ATLANTIC

Die BREGUET ATLANTIC wurde bereits 1966 in die deutsche Marine eingeführt. Die 14 Seefernaufklärer/Ujagd Flugzeuge (Maritime Patrol Aircraft, MPA) und die 4 Meßflugzeuge (Signal Intelligence, SIGINT) des MFG 3 "Graf Zeppelin" stellen eine wesentliche Komponente in der Seekriegsführung dar:

- als Seefernaufklärer durch Seeraumüberwachung, Beschatten gegnerischer Seestreitkräfte

und zur Zieldatenübermittlung,

- als U-Jagd Flugzeug durch autonome Ujagd, Ujagd zur Unterstützung eines Verbandes in

See und Zusammenarbeit mit U-Booten,

- als Meßflugzeuge bei der Erfassung elektromagnetischer Signale und bei der Erstellung einer

"Electronic Order of Battle".

Seeraumüberwachung und Aufklärung sind klassische Aufgaben der Marineflieger. Die BREGUET ATLANTIC zeichnet sich durch sehr langes Stehvermögen im Einsatzgebiet aus. Mit einem weitgefächerten Spektrum elektromagnetischer, hydroakustischer und optischer Sensoren befähigt sie die Besatzung, auch in entfernten Seegebieten über einen längeren Zeitraum Über- und Unterwasserziele zu orten, identifizieren und zu beschatten. Bei Bedarf kann das Flugzeug mit einem Fotobehälter ausgerüstet werden.

In der Ujagd-Rolle gilt es, gegnerische U-Boote aufzuspüren, zu verfolgen und zu bekämpfen. Die BREGUET ATLANTIC kann sowohl unabhängig in der offensiven Gebietssuche als auch defensiv zum Schutz eigener Verbände operieren. Für die Ujagd stehen unterschiedliche Sensoren und Effektoren zur Verfügung. Zu den Sensoren gehören aktive und passive Sonobojen, Radar, MAD (Magnetic Anomaly Detector) und ESM (Electronic Support Measures). Zur Bekämpfung gegnerischer Uboote können Torpedos oder Wasserbomben eingesetzt werden.

In der Marine wird die MPA auch im Rahmen des Such-und Rettungsdienstes (SAR) eingesetzt. Besonders qualifiziert für die Großraumsuche steht ein Flugzeug in ständiger 3-Stunden -Bereitschaft auf dem Heimatplatz Nordholz. Neben ihrer Aufgabe als Suchflugzeug eignet sie sich bestens zur Heranführung bergefähiger Einheiten und zur Koordination des Rettungsablaufs zwischen den Rettungseinheiten und der SAR Leitstelle.

Während in der Zeit der Ost - West - Konfrontation der Schwerpunkt des MPA Einsatzes eindeutig im Bereich U-Jagd lag, erfolgte spätestens mit Beginn des Golfkonfliktes eine Schwerpunktverlagerung hin zur Seeraumüberwachung. Hier kann die BREGUET ATLANTIC einen bedeutenden Beitrag sowohl für die maritime Risikovorsorge als auch für die konkrete Krisenbewältigung leisten. Dies wird durch den mittlerweile drei Jahre anhaltenden Einsatz der MPA im Rahmen der Embargoüberwachung im Mittelmeer eindrucksvoll dargestellt.

 

SEA LYNX MK 88

Auch der Bordhubschrauber SEA LYNX ist im MFG 3 "Graf Zeppelin" stationiert. Der Hubschrauber ist bei der deutschen Marine seit 1981 im Dienst. Er ist einer der Hauptsensoren der Fregatte Klasse 122 und 123 und wesentlicher Teil des Waffensystems Schiff, auf dem 2 Hubschrauber und 18 Mann fliegendes und technisches Personal den sogenannten "Hauptabschnitt 500" bilden.

Die Ausrüstung und Bewaffnung des Hubschraubers sind auf seine Hauptrolle Ujagd ausgelegt. In dieser Rolle dient der Hubschrauber als verlängerter Arm des Schiffes, dessen Fähigkeiten er wesentlich um seine eigene Reichweite, seine Geschwindigkeit und Flexibilität erhöht. Der SEA LYNX ist ausgerüstet mit einem tiefenvariablen Sonar für aktive und passive Ortung, sowie mit 2 Torpedos zur schwerpunktmäßigen Bekämpfung gegnerischer Uboote.

Zusätzlich zu der Hauptaufgabe Ujagd hat sich der SEA LYNX in ergänzenden Aufgaben wie Personen- und Materialtransport bewährt. Weitere wertvolle Dienste leistet der Bordhubschrauber im Rahmen Embargoüberwachung, indem die Überprüfungkommandos von den Fregatten mit ihrer Hilfe auf zu untersuchende Handelsschiffe abgeseilt werden. Diese Rolle wird mit "Fast Roping" bezeichnet.

Der Bordhubschrauber stellt als integriertes Waffensystem der Fregatte 122 und 123 ein flexibles Waffensystem der Krisenreaktionskräfte dar. Seine besonderen Fähigkeiten liegen in der schwerpunktmäßigen UjJagd, der Aufklärung, Zieldatenübermittlung sowie im Personal- und Materialtransport wobei diese letzgenannten sich im Kriseneinsatz immer mehr zu einer Hauptaufgabe entwickeln.

SEA KING MK 41

Das Waffensystem SEA KING hat sich in seiner Hauptaufgabe SAR hervorragend bewährt. Die ersten von 22 Hubschraubern wurden 1975 im MFG 5, in Kiel-Holtenau in Dienst gestellt. Seitdem versehen SEA KING Hubschrauber täglich rund um die Uhr ihre SAR Bereitschaft über der Nordsee, Ostsee und Schleswig-Holstein. Dazu sind Hubschrauber auf Borkum, Westerland ( fallweise Helgoland ) und in Parow/Mecklenburg Vorpommern stationiert.

Zusätzlich sind SEA KING Hubschrauber im Rahmen von Krisenreaktionsmaßnahmen zur logistischen Unterstützung (taktischer Lufttransport) für eigene See-und Seeluftstreitkräfte vorgesehen. Dies wurde bereits 1991 erfolgreich zur Unterstützung der Minensuchoperationen im Arabischen Golf durchgeführt.

 

DO 228 "ÖL-ÜBERWACHUNG" / LUFTTRANSPORT

Die DO 228 zur Überwachung von Meeresverschmutzungen ist mit einer Vielfalt von Sensoren, mit Forward Looking Airborne Radar (FLAR), Side Looking Airborne Radar (SLAR), Micro Wave Radiometer (MWR), Laser Fluor Sensor (FLS), Infrared/Ultraviolett Sensor (IR/UV) sowie Video Kameras und einem Data Down Link.

Das Flugzeug wird zu unterschiedlichen Zeiten, Tag und Nacht, eingesetzt. Entdeckte Verschmutzungen werden an die Wasser- und Schiffahrtsdirektion gemeldet, wo dann mit dem Zoll, dem Bundesgrenzschutz oder der Wasserschutzpolizei weitere Vorgehensweisen abgestimmt werden.

Diese Aufgabe ist nicht eine klassische im Sinne der Marine, aber als wichtiger Bestandteil eines umfassenden Vorsorgekonzeptes der Bundesrepublik ist die Beobachtung und Aufklärung von Wasserverschmutzungen eine an Bedeutung zunehmende Aufgabe der Seeüberwachung und somit auch der Marine.

Für den Lufttransport stehen dem Befehlshaber Flotte zwei weitere D0 228 LT im MFG 3 zur Verfügung. Diese Flugzeuge werden vielfältig genutzt, von der unterstützenden Ausbildung für junge Besatzungen, Besatzungsaustausch für die SAR Außenstationen bis hin zur Unterstützung / Versorgung der See- und Seeluftstreitkräfte in ihren jeweiligen Einsatz- und Übungsgebieten und natürlich als Transportmittel für den Personentransport.

 

ROLAND

Für die Verteidigung eines Fliegerhorstes wurde 1989 das Flugabwehrsystem ROLAND für die Marinefliegergeschwader eingeführt. Aufgabe dieses "short range air defence" (SHORAD) Systems ist es, die Einsatzflugplätze der Marine gegen Angriffe aus der Luft zu verteidigen. Das MFG 2 und MFG 3 verfügen dafür über je einen mobilen Flugabwehrgefechtsstand und 6 mobile Raketenstarter, die entweder Ziele autonom bekämpfen können oder unter der Leitung des Flugabwehrgefechtsstandes. Herausragende Merkmale dieses Systems sind:

 

- hohe Mobilität und Unabhängigkeit.

- kurze Reaktionszeiten bei der Zielentdeckung, -verfolgung und- bekämpfung

- hohe Feuerkraft

- wartungfreier Flugkörper

- ECM Schutz

Die ROLAND Einheiten der Marine arbeiten im Rahmen Luftabwehr sehr eng mit den Einheiten der Luftwaffe zusammen, sei es bei den jährlichen Schießabschnitten auf Kreta oder bei Verlegungen im Rahmen von Manövern.

DIE ZUKUNFT

Die zur Zeit im Dienst befindlichen fliegenden Waffensysteme der Marine werden über das Jahr 2000 hinaus fliegen. Im Rahmen von Nutzungsdauerverlängerung und Kampfwertanpassung werden die Waffensysteme auf den notwendig gewordenen neueren technischen Ausrüstungsstand gebracht.

 

Als Nachfolgemuster für die Hubschrauber SEA KING und SEA LYNX sind in der Marine Ver-sion des NH 90 (NATO Hubschrauber) 38 EA geplant. Für ein zukünftiges Seeraumüber-wachungs- und Ujagdflugzeug als Nachfolger der BREGUET ATLANTIC (ab 2005) werden die taktisch-technischen Forderungen für ein solches System erarbeitet. Das Waffensystem TORNADO wird mit Hilfe von Kampfwertsteigerungen bis weit nach 2015 effektiv einsetzbar sein, Nachfolgeplanungen sind noch nicht erfolgt.

Marineluftstreitkräfte haben im Rahmen der Krisenreaktion sowie Konfliktverhütung an Bedeutung gewonnen. Ihre taktischen Fähigkeiten reichen von der Aufklärung bis zum Waffeneinsatz. Grundvoraussetzung für einen wirkungsvollen Einsatz der Seeluftstreitkräfte ist die zentrale einheitliche Führung und eine rasche Verfügbarkeit. Der jeweilige Befehlshaber muß in der Lage sein, direkt auf die Seeluftstreitkräfte Zugriff zu haben und einwirken zu können. Für ihre Aufgaben im nationalen wie im Bündnisrahmen muß die Marine den Anforderungen an die Überwasser- und Unterwasserseekriegsführung gerecht werden.