Minenjagdboot MJ 332
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1. Allgemeine Darstellung

Die Minenabwehr wird durch die Minentechnik und durch die Umweltparameter wie Hydrographie, Geographie und Meerestopographie beeinflußt. Die Technik zum Bau einer Mine und des Zündsystems reicht heute vom sehr einfachen bis zum High-Tech-Standard. Minen sinken in den Meeresboden ein, sie liegen versteckt in Stein- und Muschelfeldern oder sind durch konventionelle Minenjagdsonare aufgrund von Temperatur- oder Salzschichtungen nicht ortbar. Somit werden auch vergleichsweise einfache Minen ein erhebliches Problem für die Minenabwehr.

Bei der Wahrung maritimer Interessen Deutschlands fällt der Minenabwehr die wichtige Rolle zu, die Gewährleistung der freien Seeschiffahrt - in dem Operationsgebiet der deutschen Marine bündeln sich die europäischen und transatlantischen Seeverbindungen - und die Operationsfreiheit der eigenen Marine auf See gegen eine Minenbedrohung aufrecht zu halten.

Der Minenabwehr wie dem Minenlegen wird/wurde in der deutschen Marine ein hoher Stellenwert beigemessen. Bis vor kurzem waren deswegen noch 60 Einheiten im Dienst.

Mittlerweile befindet sich die deutsche Marine auf dem Weg zur Struktur 2005, die 22 moderne Minenabwehrfahrzeuge mit Minenlegefähigkeit beinhaltet.

2. Vorgaben

Im Rahmen bündnisgemeinsamer Operationen ist die Bereitstellung von Minenabwehrstreitkräften in der Krisenreaktion und im Rahmen der Landesverteidigung im Frieden, in der Krise und im Krieg sicherzustellen.

Ziel von Minenabwehroperationen ist

- die Aufrechterhaltung der Operationsfreiheit der eigenen und verbündeten Streitkräfte,

- das Sichern der Seeverbindungslinien,

- der Schutz der Küsten.

 

Den Minenjagdbooten werden dabei die Hauptaufgaben

* schnelle und sichere Lokalisierung der Minenbedrohung,

* Bekämpfung von Grund- und Ankertauminen,

* Minenjagdspezifisches Erfassen, Dokumentieren und Überwachen von vorgeplanten Schiffahrtswegen,

und die Nebenaufgaben

* Minentauchereinsätze,

* Minenlegen,

* Geleiten von Schiffen durch minengefährdete Gebiete zugewiesen.

 

3. Auslegung und Entwurf

 

3.1 Technische Besonderheiten

Der Bootskörper und die Aufbauten werden aus nichtmagnetisierbarem Stahl in Leichtbauweise und Längsspantenkonstruktion gefertigt. Die Entscheidung für diesen ungewöhnlichen Werkstoff für Überwasserschiffe fiel aufgrund der sehr positiven Erfahrungen in der Nutzung mit den Ubooten U 205/U 206/U 206 A. Es ergeben sich deutliche Vorteile bei der Magnetik, Akustik, der Schocksicherheit, der Feuersicherheit, der elektromagnetischen Verträglichkeit und der Fertigung gegenüber anderen Baumaterialien wie glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK) und Holz.

Für die besonderen Anforderungen an die Manövrierfähigkeit ist MJ 332 mit einem Langsamfahrantrieb und einem Hochleistungsruder ausgerüstet.

 

3.2 Funktionskette Minenjagd

Die Funktionskette Minenjagd besteht aus den drei Hauptkomponenten

- Führungsbereich

- Minenjagddrohne

- Minentaucheranlage.

 

Der Führungsbereich Minenjagd ist ein integrierter und vernetzter Abschnitt des Minenjagdbootes, der die genaue Navigation und Führung des Bootes, die Detektion, die Klassifizierung und Identifizierung der Minen oder minenähnlicher Objekte ermöglicht und die gezielte Führung der Minenjagddrohnen oder der Minentaucher gewährleistet.

Dazu gehören folgende Geräte/Anlagen:

* Minenjagd-Führungskonsole SATAM

(System zur Speicherung und Auswertung taktischer Daten im Minenkampf).

Diese Anlage ist die Überwachungs- und Steuerungsstelle für den Minenjagdeinsatz. Hier wird das Lagebild aus aktuellen Sonardaten und gespeicherten Altdaten generiert. Das Lagebild kann auf elektronischem Datenträger gespeichert, an andere Einheiten übergeben und als gespeicherte Karte an Landstellen ausgewertet werden.

* Minenjagdsonaranlage DSQS-11 M

ist der Hauptsensor für die Minenjagd und dient zur Erarbeitung des aktuellen Sonarbildes für die Detektion und die Klassifizierung.

 

* Bedienkonsole der Minenjagddrohne

Enthält die Steuerungs- und Überwachungseinheiten der Drohne PINGUIN B 3 und ihrer Sensoren sowie die Darstellungsschirme für die Unterwasserbildkamera und das Nahbereichsonar.

* Minenjagdbootführungskonsole

Von hier wird das Minenjagdboot aus der OPZ vom Minenjagdoffizier gesteuert (Automatiksteuerung für vorgegebene Tracks bzw. festgelegte Manöver oder von Hand). Über eine rechnergesteuerte Lastverteilfunktion werden Wellenumdrehung, Propellersteigung und Ruderlage unter Berücksichtigung äußerer Einflüsse (Wind, Strom) optimal aufeinander abgestimmt.

 

Die Minenjagddrohne PINGUIN B 3 ist ein über Lichtwellenleiterkabel ferngesteuertes Unterwasserfahrzeug. Die Energie für die zwei Antriebsmotore, das Hubtriebwerk, die Sensoren (TV und Nahbereichssonar) wird durch zwei Batteriepakete bezogen.

Die Minenjagddrohne kann zwei Minenvernichtungsladungen für die Bekämpfung von Grund- und Ankertauminen mitführen. Ein Kran mit neu entwickelter pendelfreier Lasthandhabung ermöglicht ein gefährdungsfreies Aussetzen und Einnehmen der Drohne auch bei größeren Windstärken und höherem Seegang.

Gelagert werden die Drohnen in einem Hangar auf dem achteren Hauptdeck, der Platz für Wartungsarbeiten und Batteriewechsel hat.

 

Minentaucheranlage

besteht aus der Taucherausrüstung, einer Taucherdruckkammer und dem Bereitschaftsboot.

 

3.3 Daten

Einsatzverdrängung 650 t

Länge 54 m

Breite 9 m

Tiefgang 2,5 m

Antrieb 2 Dieselmotore, Langsamfahrantrieb

Bewaffnung 1 Geschütz 40mm

2 Fliegerfaust-Schützenstände

Höchstgeschwindigkeit ca. 18 Kn

Besatzung 40

Die Fernmeldeausrüstung ermöglicht die Führung durch einen OTC in See bzw. der OCA. Der Einsatz als Führungsplattform eines Minenabwehrverbandes ist möglich.

4. Beteiligte Werften/Haupt-Auftragnehmer

Die Vorhaben SM 343 und MJ 332 wurden im Amtsbereich durch dasselbe Systemmanagement betreut. Da auch auf industrieller Seite die gleiche Firma MTG Marinetechnik die Konzeptarbeiten ausführte, konnte ein wichtiger Synergieeffekt nutzbar gemacht werden.

Als Hauptauftragnehmer für das System MJ 332 wurde STN Atlas Elektronik ausgewählt. Die Arbeitsgemeinschaft "Mittlere Werften" mit Abeking & Rasmussen, Fr. Lürssen und Kröger waren die wichtigsten Unterauftragnehmer.

5. Zeitablauf/Erfahrungen

Das Vorhaben MJ 332 verläuft ebenso planmäßig wie das abgeschlossene Vorhaben SM 343. Im Zeitraum Dezember 92 bis Januar 96 sind 10 Einheiten in Dienst gestellt worden. Mit dem Zulauf der beiden letzten Einheiten in 98 wird das Vorhaben abgeschlossen sein.

Nach dem erfolgreichen Truppenversuch in den Jahren 92/93 haben die Boote auch an internationalen Manövern teilgenommen. Dabei konnte das Waffensystem seine herausragende Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen.

6. Beurteilung und Ausblick in die Zukunft

Mit dem Waffensystem MJ 332 mit der Minenjagddrohne PINGUIN B 3 hat sich die Deutsche Marine für ein neuartiges und zukunftsorientiertes Minenabwehrsystem entschieden. Zu den besonderen Vorteilen des Systems PINGUIN B 3 gehört die Möglichkeit zur vollständigen Vernichtung von Grund- und Ankertauminen in jeweils einem Arbeitsgang mit nur einem Munitionstyp, der in der NATO standardisierten Minenvernichtungsladung.

Das neue System ist vielseitig, zukunftsorientiert und taktisch-operativ effektiv einsetzbar. Damit steht der Deutschen Marine ein wirkungsvolles Instrument zur Minenabwehr zur Verfügung.

Zukünftige Minenabwehrsysteme der Deutschen Marine werden auf dem Minenabwehrsystem MJ 332 aufbauen.