Torpedoabwehr durch Überwasserschiffe

Seit dem Einsatz eines ersten Torpedos gegen ein Überwasserschiff ist die Abwehr solcher Waffen Gegenstand von Rüstungsüberlegungen. Die Bekämpfung von Torpedoangriffen hat zwei Dimensionen, entweder es gelingt dem U-Jäger bereits den Waffenträger Uboot am Angriff zu hindern oder er ist gezwungen den Torpedo selbst abzuwehren. Die deutsche Marine nutzt zur Torpedoabwehr Ausweichmanöver und verwendet akustische Störer, um die Waffe vom Ziel abzulenken. Derartige Maßnahmen sind nur dann erfolgreich, wenn der Torpedo rechtzeitig geortet wird und er auf akustische Störungen reagiert. Trotz Verwendung innovativer Technik in der ASW und des verbundenen Einsatzes fliegender und schwimmender
U-Jagdkräfte kann auch zukünftig nicht verhindert werden, daß Uboote sich in eine Torpedoschußposition manövrieren, bevor sie selbst geortet werden. Diese Tatsache verlangt einen geeigneten Sensor und eine wirksame Abwehrfähigkeit zur Selbstverteidigung gegen bereits anlaufende Torpedos. Die derzeitige Ausstattung schwimmender Einheiten mit geschleppten Täuschkörpern ist gegen moderne Torpedos unterschiedlichster Konfiguration nicht mehr ausreichend.

Das Überwasserschiff muß in der Lage sein, geeignete Abwehrmaßnahmen, auch zum Verbandschutz, in jeder Einsatzarea (littoral warfare, open ocean) gegen elektrisch oder thermisch angetriebene Torpedos, die mit aktiven und/oder passiven akustischen Sensoren ausgerüstet sind, durchführen zu können. Das Schiff muß weiterhin Wake-Homer detektieren und bekämpfen können und seit neuestem angesichts der weltweiten Proliferation vollkavitierender Unterwasserlaufkörper auch dieser Gefahr begegnen können.

Angesichts eines NATO-weiten Bedarfs wurde 1991 die NATO Project Group AC/141 (PG/37) on Surface Ship Torpedo Defence eingerichtet.

Im Rahmen der PG arbeiten folgende Nationen an der Verwirklichung einer Torpedoabwehr: FR, IT, NL, NO, SP, GE. FR stellt den Chairman. Parallel dazu führen die US und das UK eigene Studien durch.

Ziel der PG ist die Konzipierung eines aus Detektion, Softkill - und Hardkillkomponenten bestehenden Systems zur Torpedoabwehr von der Trägerplattform Überwasserschiff.

Bereits 1990 wurde vor dem Hintergrund der sich abzeichnenden PG/37 Aktivitäten an zwei deutsche Firmen konkurrenzierende Studien vergeben, in denen zwölf alternative Abwehrprinzipien untersucht wurden. Daraus resultierten folgende Erkenntnisse:

Zur Sicherstellung einer ausreichenden Abwehrleistung

- wird ein weitestgehend integriertes, abgestuft einsetzbares Abwehrsystem mit den Anteilen
Detektion, Soft- und Hardkill, jeweils in Verbindung mit speziellen Abwehrmanövern
benötigt,

- ist ein spezieller Ortungssensor, ein optimiertes Towed Array, erforderlich

- müssen Hardkillmaßnahmen gegen nicht-akustisch bzw. im Kielwasser anlaufende Torpedos
realisiert werden

- wird eine spezielle Hardkill-Abwehrkomponente für den Nächstbereich benötigt.

Die Pre Feasibility Study lief bis Ende 1993. Es wurden verschiedene Konzepte mit Schwerpunkt Hardkillkomponente untersucht, da man aus der Torpedoabwehr für Uboote bereits wußte, daß die Softkillkomponente realisierbar ist.

Die seit diesem Jahr laufende Feasibility Study hat einen Zeitrahmen von 18 Monaten und ist in zwei Phasen untergliedert:

- im ersten sechs Monate dauernden Schritt werden auf der Basis nationaler Untersuchungsergebnisse max zwei Konzepte ausgewählt

- der zweite Schritt wird die Untersuchung für die zwei Konzepte vertiefen, um zu einem
schlüssigen Konzept zu gelangen.

In 1999 soll die Definitionsphase beginnen.

Für die Fregatte 123 der Brandenburg-Klasse ist die Nachrüstung mit dem Low Frequency active towed array sonar system (LFTASS) ab 2003 geplant. In diese Schleppantenne ist mit relativ geringem Aufwand eine spezielle Torpedodetektionsantenne nachrüstbar.

Eine Torpedoabwehr von Überwasserschiffen kann aufgrund der noch zu entwickelnden Teilkomponenten nur stufenweise erfolgen. Bereits die Fähigkeit anlaufende Torpedos frühzeitig zu orten, ermöglicht es durch gezielte Ausweichmanöver und vorhandene Softkillmaßnahmen eine Steigerung der Sicherheit zu erreichen.