Torpedo-Neuentwicklungen

Torpedo DM 2 A4

Bei dem Entwicklungsschritt des DM 2 A3 zum Torpedo DM 2 A4 ist im wesentlichen ein leistungsfähigerer Antrieb zu entwickeln. Hierbei sind insbesondere eine der Ortungsreichweite des Ubootes Kl. 212 angepaßte größere Laufstrecke und höhere Torpedogeschwindigkeiten zu realisieren. Darüber hinaus machen logistische Gründe die Erneuerung des Antriebes notwendig.

Entsprechende Konzeptarbeiten wurden bereits seit 1982 in Angriff genommen. Aufgrund finanzplanerischer Zwänge Mitte der 80er Jahre wurden internationale Kooperationspartner gesucht und mit Italien und Frankreich gefunden, welche ähnlichen Bedarf an modernen Schwergewichtstorpedos im Zeitraum nach 2000 haben.

Im April 1992 wurde mit beiden Partnern ein Memorandum of Understanding (MoU) über die Konzeptphase für ein gemeinsames Antriebssystem für Schwergewichtstorpedos geschlossen.

Mit einem zweijährigen Joint Feasibility Programme wurden drei Antriebsalternativen untersucht:

- elektrischer Antrieb auf der Basis einer Aluminium-Silber-Oxid- Batterie

- geschlossener thermischer Antrieb mit Kreiskolbenmotor (Wankelprinzip) und

- Turbinenantrieb mit Brennstoff Lithiumhydrid und Lithiumperchlorat.

Nach Abschluß der Realisierbarkeitsuntersuchnung Ende 1994 wurde von den drei Nationen einvernehmlich die elektrische Antriebsvariante ausgewählt.

Die von Deutschland national durchgeführte zweijährige Definitionsphase wurde Ende 96 erfolgreich abgeschlossen.Es ist beabsichtigt, die Entwicklung trinational durchzuführen.

 

Leichtgewichtstorpedo (LWT)

Die Deutsche Marine beabsichtigt für Ujagdzwecke einen neuen LWT - als Ersatz für die Typen DM 4 A1 und Mk 46 mod 2 - zu beschaffen. Auf eine eigenständige deutsche Entwicklung wurde verzichtet, so daß nur eine Kauflösung in Frage kommt.

Eine bereits 1989 durchgeführte Bewertung auf dem Markt befindlicher verfügbarer Kandidaten wurde 1993/94 aus technisch-wirtschaftlicher und operativer Sicht auf den neuesten Stand gebracht.

Die Auswahlentscheidung zugunsten der italienisch-französischen Entwicklung MU 90 erfolgte aufgrund des überzeugenden Gesamtkonzeptes und der operativen Leistungsfähigkeit dieses Torpedos und wurde mit dem Phasendokument MTWF festgeschrieben.

Die deutsche Industrie (STN ATLAS Elektronik) entwickelt für den MU 90 den Elektromotor mit Permanenterregung (stufenlos regelbar mit fast gleichbleibendem Wirkungsgrad).

Nach derzeitiger Planung ist mit einem Vertragsabschluß Anfang 1998 zu rechnen.

 

Torpedo DM 2 A3 - SEEHECHT

 

Mit der Taktischen Forderung (TaF) "Torpedo für Uboote" vom April 1982 wurde ein Modernisierungsprogramm gestartet, welches über Leistungssteigerungen an den bis dato reinen Seeziel-Torpedo DM 2 A1 SEEAAL u.a. den Ersatz des U-Jagd-Torpedos DM 1 vorsah.

Dieses Vorhaben wurde/wird aufgrund der komplexen Aufgabenstellung, der bestehenden Entwicklungsrisiken und des daraus resultierenden Entwicklungsmittelbedarfs in zwei Schritten durchgeführt.

In einem ersten Entwicklungsschritt wurden vor allem die Komponenten Torpedosonar, Zentrale Elektronik und Zündung erneuert und die Torpedos DM 2 A1 zu einem Seeziel- und Ujagd-Torpedo (DM 2 A3 - SEEHECHT) für die Uboote der Klasse 206 A umgerüstet.

Der zweite Entwicklungsschritt zum Torpedo DM 2 A4 wird separat vorgestellt.

Im Juni 1982 wurde die Fa. AEG-Telefunken als Generalunternehmer für die Entwicklung des DM 2 A3 ausgewählt. Der Vertrag über die Entwicklung des Torpedos DM 2 A3 wurde im März 1983 geschlossen, nachdem zuvor die zuständigen parlamentarischen Gremien des Deutschen Bundestages dem Vorhaben zugestimmt hatten.

Im Februar 1989 wurde mit der Fa. AEG (Wedel/Holstein) ein Vertrag über die Serienvorbereitung und die Lieferung von 10 Vorserientorpedos geschlossen.

Nach einer achtjährigen Entwicklung - die Gesamtentwicklungskosten betrugen 300 Mio DM - konnte diese mit der Einführungsgenehmigung (EFG) vom 5. November 1991 abgeschlossen
und die Beschaffung der Torpedos eingeleitet werden.

Technologische Schwerpunkte dieser Entwicklung waren die Einführung eines optischen Bussystems für die interne Kommunikation, die sogenannte pre-formed-beam (PFB) Technik für das Sonar sowie der vorrangige Einsatz von Mikroprozessoren und hochintegrierten Schaltkreisen in Gate-array- und Dickfilmtechnik. Mittels dieser Techniken wurde eine höhere Integrationsstufe erreicht, um die für einen "intelligenten" Torpedo notwendige Elektronik im vorgegebenen Raum unterzubringen. So konnte die ursprüngliche Zahl von ca. 600 Einzelbausteinen um 60% reduziert werden.

Nach Erteilung der EFG und der parlamentarischen Behandlung der Serienbeschaffung wurde am 18. Dezember 1991 der Vertrag über die Umrüstung von Torpedos DM 2 A1 zu DM 2 A3 mit der Fa. DMT (ehemals AEG , jetzt STN ATLAS Elektronik) geschlossen.

Zeitgleich beschaffte Norwegen für die Uboote der ULA-Klasse Torpedos DM 2 A3. Diese gemeinsame Beschaffung wurde über ein Ämterabkommen zwischen dem Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung (BWB) und dem norwegischen Sjoforsvarets Forsynings Kommando (SFK) geregelt.

Der Zulauf der umgerüsteten deutschen Torpedos - inklusive der Nachrüstung der 10 Vorserientorpedos - war mit der erforderlichen Anpassung der Torpedofeuerleitanlage
(SLW 83) auf U 206A abgestimmt.

Die Gesamtbeschaffungskosten betragen ca. 440 Mio DM. Darin enthalten sind die Kosten für die Herstellung der Versorgungsreife (ET-Erstbedarf / Dokumentation usw.) Prüfausstattung und Werkzeuge, die Serienvorbereitung, Beschaffung und Nachrüstung der 10 Vorserientorpedos sowie die Beschaffung der Torpedos DM 2 A3 - SEEHECHT.

Mit dem erfolgreichen Entwicklungergebnis des DM 2 A3 sind erhebliche Leistungssteigerungen gegenüber dem Torpedo DM 2 A1 erzielt worden, z.B.:

- Fähigkeit zur Zielklassifizierung, Zielunterscheidung und Zieldatengenerierung

- größere Auffaßreichweiten des Torpedosonars

- Störsicherheit gegen Torpedo-Counter-Measure

- gleichzeitige Ortung von Mehrfachzielen

- Verbesserung des Nachrichtenverkehrssystems

- Erhöhung der Ladungswirkung durch größeren Zielabstand während des magnetischen
Zündvorganges sowie

- höhere Störsicherheit des magnetischen Zündsystems.

Diese Maßnahmen dienen der Erhöhung der Trefferwahrscheinlichkeit des Torpedos. Zusätzlich ist mit der Entwicklung zum Torpedo DM 2 A3 die Fähigkeit zur Bekämpfung von Ubooten erreicht worden.

Der Torpedo DM 2 A3 - SEEHECHT ist in Sektionbauweise mit Spannringverbindungen aufgebaut und hat die Sprengladung sowie den getriebelosen elektrischen Antrieb des DM 2 A1 übernommen. Durch eine verbesserte (elastische) Motorlagerung und vor allem durch die wesentlich bessere Propellerform (kontrarotierender Skew-Propeller aus GFK) gestaltet sich der Torpedolauf als sehr leise und somit schwer ortbar.

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